Der besondere „Spür“-Sinn – Jans ungewöhnliche Gabe

Virenkrieg

Roman-Zyklus von Lutz Büge

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Evan – Virenkrieg IV (Ebook)

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Biowaffen, Geheimorganisationen und einsame Entscheidungen – die Menschheit am Rand ihrer Auslöschung.

„Willkommen in einer Welt, in der es keine saubere Trennung mehr gibt zwischen Gut und Böse, richtig und falsch.“
Frankfurter Rundschau vom 13.8.2015

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Der besondere „Spür“-Sinn – Jans ungewöhnliche Gabe

Nach Lesungen werde ich vom Publikum manchmal gefragt, ob meine Romane autobiografisch seien. Die Menschen wollen also wissen, was die Romane mit mir zu tun haben. Nun, ich bin ein politischer Mensch. Doch die Frage nach dem Autobiografischen zielt natürlich nicht auf meine Haltung, sondern interessiert sich dafür, ob Persönliches eingeflossen ist. Das ist wiederum ein riesiges Feld, denn wie soll ich die Frage nach der Haltung trennen von Persönlichem? Aber es gibt da tatsächlich etwas ganz Konkretes in den Virenkrieg-Romanen, was man als autobiografisch bezeichnen könnte: Jans besondere Gabe.

Virenkrieg-Autor Lutz Büge
schreibt auf Ybersinn.de über
die Hintergründe seines Romanzyklus.

Jan Metzner, die Hauptfigur im Virenkrieg, kann nämlich spüren. Er kann seine Umgebung mit Hilfe eines besonderen, eines sechsten Sinns erfassen, der genauer ist als alles, was ihm seine Augen zeigen, und der auch im Dunkeln aktiv ist. Damit kann Jan sogar sehr kleine Dinge wahrnehmen, und schon im ersten Kapitel von Virenkrieg – Erstes Buch erzähle ich, wie er mit Hilfe dieser Gabe ein Glas auf einem Tisch rutschen lässt, ohne es mit den Fingern zu berühren. Die Gabe war ihm in Incubus – Virenkrieg III in einer entscheidenden Situation behilflich, und auch in Evan – Virenkrieg IV und McWeir – Virenkrieg V wird er sie brauchen. Die Idee zu dieser Gabe hat tatsächlich einen autobiografischen Hintergrund. Sie beruht auf einer persönlichen Erfahrung.

Von dem Geld, das mir zur Konfirmation geschenkt wurde, habe ich mir mit 14 Jahren ein astronomisches Teleskop gekauft, einen Refraktor mit sechs Zentimetern Objektivdurchmesser, der mir viele interessante Objekte am Himmel nähergebracht hat. In Ottendorf, jenem 200-Seelen-Nest am Rande der Holsteinischen Schweiz, in dem ich aufgewachsen bin, war es nachts, nachdem die Straßenbeleuchtung abgeschaltet  war, so dunkel, wie man es sich heutzutage kaum noch vorstellen kann. Beste Bedingungen für Himmelsbeobachtungen! Doch meine Eltern mochten es nicht, wenn ich mir die Nächte am Teleskop um die Ohren schlug, statt zu schlafen und am nächsten Tag fit zu sein für die Schule. Also musste ich es geschickt anstellen.

Mein Zimmer lag im Obergeschoss unseres Einfamilienhauses, das meine Eltern 1972 gebaut hatten. Um in den Garten zu kommen, wo ich das Teleskop aufstellen wollte, musste ich eine Treppe mit knackenden Stufen hinab, dann am Schlafzimmer meiner Eltern vorbei, dessen Tür immer einen Spaltbreit offen war, und schließlich die Treppe hinab Richtung Keller, wo die nächste Herausforderung wartete: eine knarrende Tür. Dahinter lag der Keller und nach einigen Schritten der hintere Ausgang des Hauses. Das alles musste ich im Dunkeln bewältigen – vorsichtig, bedachtsam, leise. Nichts durfte knacken oder knarren, denn ich wollte meine Eltern natürlich nicht wecken. Dabei trug ich das Teleskop auf seinem Stativ in der linken Hand. Es wiegt etwa sechs Kilo. Ich besitze es heute noch.

Es war so dunkel auf meinem Weg, dass praktisch nichts zu sehen war, aber das war für mich nicht nötig. Ich hätte diesen Weg inklusive der erwähnten kritischen Stellen auch bei geschlossenen Augen geschafft. Ich hatte ein klares Bild der Treppen im Kopf, die es hinabzusteigen galt, wusste blind, wo ich mich festzuhalten hatte, und zählte im Kopf die Stufen mit. Auch durch den völlig dunklen Keller, wo es einmal links und einmal rechts ging, fand ich mühelos zur Ausgangstür hindurch. Noch heute kann ich mich gut im Dunkeln orientieren.

Tastsinn, Gehör, Erinnerung, körperliche Beherrschung und ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen ergeben zusammen natürlich keine paranormale Gabe, wie Jan sie besitzt. Mein Geschick, mich durchs nächtliche Haus zu schleichen, ist letztlich nichts Außergewöhnliches und leicht zu erklären. In Jans Gabe ist diese Erfahrung jedoch nur ein bisschen weitergedreht. Jan selbst hat übrigens die größten Schwierigkeiten damit, sie zu erklären. Der Wissenschaftler in ihm verlangt eine solche Erklärung, aber er kann sie nicht liefern. Gleichwohl ist er mit dieser Gabe aufgewachsen, sie ist für ihn völlig normal. So normal, wie es für mich damals gewesen ist, in den Garten zu gelangen, ohne meine Eltern geweckt zu haben. Ist das nun autobiografisch? Ja, das ist es wohl.

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Das Virenkrieg-Finale – Eine Übersicht

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