„Virenkrieg“ für eine Printfassung überarbeitet

Ecklogo VirenkriegEs gibt Schriften, in denen jedes Wort heilig ist. Und es gibt Menschen, denen jedes Wort, das sie geschrieben haben, heilig ist. Dieser Zahn wird jungen Autoren normalerweise als erstes gezogen, wenn es ans Lektorat geht — und damit ans Straffen. Selbst die Bibel wäre problemlos um die Hälfte kürzbar.

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Der „Virenkrieg“ in der Bearbeitung

Wollen wir’s mal nicht zu hoch hängen, aber gewisse Ereignisse werfen ihr Licht voraus: Die Gründung eines Verlags steht an und die Publikation des Romans Virenkrieg in gedruckter Form. Darauf freue ich mich schon gewaltig, denn mit einem gedruckten Buch — bisher erschienen meine neuen Romane nur als E-Books — kann man natürlich Lesungen veranstalten, man kann Leseexemplare verschicken, und natürlich kann man so ein gedrucktes Buch auch viel leichter verschenken als ein E-Book, besonders dann, wenn es in jeder Buchhandlung Deutschlands erhältlich sein wird. E-Books sind was Feines. Gedruckte Bücher sind was Feineres.

Ein bisschen getrübt wird die Vorfreude natürlich, wenn man Angebote von Druckereien einholt. So ist das nämlich: Drucken kostet Geld, und das gilt leider für dicke Dinger wie Virenkrieg (510 Buchseiten) ganz besonders. Dies ist wiederum ein Vorteil des E-Books, da gibt es keine Umfangbegrenzungen. Für ein gedrucktes Buch aber heißt es, eine Balance zu finden. Also habe ich mich noch einmal mit dem Roman beschäftigt. Vorgabe war: Zehn Prozent weniger Umfang. Leserinnen und Leser des Romans werden sagen: Unmöglich! Sie irren. 25 Prozent wären unmöglich. 20 Prozent wären schädlich. 15 Prozent würden Lücken reißen. Aber zehn Prozent — ich glaube, das merkst Du gar nicht, wenn es gut gemacht wird.

Vor dieser Schlussarbeit hatte Virenkrieg 1.024.518. Zeichen. Das ist der Umfang der ePub-Komplettversion, die Du zurzeit via Epubli, Amazon, Thalia, Hugendubel, Weltbild und weiteren eBook-Shops bekommst. Nach der Schlussarbeit hat der Roman noch 920.477 Zeichen, also 104.000 weniger. Ein paar größere Textstücke wurden entfernt, etwa der zweite Prolog, in dem Agent Omar den U-Boot-Hangar findet, oder ein paar längere Politik-Stücke im zweiten Teil, wo Jan Metzner nach Ägypten fliegt und Zeitung liest. Weiter hinten konnte ich trotz fulminanter Handlung kürzen, weil aus der ursprünglichen Fassung (zuerst war der Roman in zehn Teilen erschienen) immer noch ein paar Wiederholungsschnippsel dringeblieben waren, die in einer zusammenhängenden Erzählung nicht gebraucht werden.

Ebola

Aber ich habe auch inhaltliche Eingriffe vorgenommen. In Virenkrieg geht es um tückische Biowaffen, die gezielt für Attentate auf einzelne Menschen eingesetzt werden, auf religiöse Hetzer beispielsweise, aber auch auf abtrünnige US-Senatoren. Dabei stellte ich fest, dass ich Teile von dem, was ich damals über Ebola schrieb, nach der Ebola-Epidemie in Westafrika so nicht stehenlassen konnte. Ich hatte zum Beispiel geschrieben:

„Das war auch der Grund dafür, dass die Erreger schwerer hämorrhagischer Fieber – wie etwa Marburg- oder Ebola-Virus – sich nie über einen eng umgrenzten regionalen Umkreis hinaus ausbreiteten: Sie töteten ihre Opfer so schnell und so effizient, dass sie ihre eigene Ausbreitung behinderten und an sich selbst erstickten. Das änderte natürlich nichts daran, dass Ebola furchterregend war; Jan hatte sich während seines Studiums eingehend damit befasst. Aber es war im evolutionären Sinn kein Erfolgskonzept, denn es würde niemals große Verbreitung erfahren, weil es zu effizient war. Daher würde es nie eine weltweite Ebola-Epidemie geben. Es sei denn, es entstand eine Ebola-Mutante mit reduziertem Tempo. Oder jemand manipulierte das Virus und drosselte es. Aber das war nicht so einfach.“

Genau das ist geschehen: Es ist seit dem ersten Erscheinen von Virenkrieg eine Ebola-Variante aufgetaucht, die mit reduziertem Tempo vorging. Lag die Mortalitätsrate des Virus‘ alter Prägung bei bis zu 70 Prozent, so liegt sie bei der Variante, die zurzeit in Westafrika umgeht — Ebola ist dort noch lange nicht besiegt — bei etwa 55 Prozent. Diese paar Prozent machen viel aus, sie markieren eine deutliche Verlangsamung. Meine Aussage, dass es keine weltweite Epidemie geben kann, weil Ebola zu effizient war, kann und will ich daher nicht aufrecht erhalten. Die neue Version dieses Textabschnitts lautet:

„Das war auch der Grund dafür, dass Ebola es anfangs schwer gehabt hatte, sich über einen eng umgrenzten regionalen Umkreis hinaus auszubreiten: Das ursprüngliche Ebola-Virus und auch das verwandte Marburg-Virus töteten ihre Opfer so schnell, dass sie ihre eigene Ausbreitung behinderten und an sich selbst erstickten. Das änderte natürlich nichts daran, dass Ebola furchterregend war. Jan hatte sich während seines Studiums eingehend damit befasst. Erst mutierte Varianten hatten sich im evolutionären Sinn als erfolgreich erwiesen, Varianten, die langsamer zu Werk gingen und weniger Todesopfer forderten als das Viren-Original, das niemals Kandidat für den Auslöser einer weltweiten Ebola-Epidemie gewesen war.“

Merkst Du was? Hier hat sich nicht nur ein neuer Kenntnisstand niedergeschlagen, sondern der Absatz — einer von 4132 Absätzen des Romans — ist auch um eine Zeile bzw. 77 Zeichen kürzer. So kommt auf die Gesamtstrecke doch einiges zusammen.

Ich weine nicht

Früher, als junger Autor, habe ich um jedes Wort gekämpft, wenn meine Texte in die Mühlen des Lektorats gingen, denn jedes einzelne Wort war mit Bedacht gesetzt. Das gilt für meine neueren Texte genauso, aber ich weine nicht mehr um jedes einzelne Wort, einfach weil ich im Lektorat erfahren habe, dass Texte gewinnen können, wenn man sie strafft. Das nehme ich aber lieber selbst in die Hand. Natürlich spielt hier auch meine jahrelange Arbeit im Journalismus hinein, denn wenn man täglich miterlebt, wie Texte redigiert, gekürzt und zurechtgemacht werden, dann merkt man rasch, dass nicht jede Kürzung ein persönlicher Angriff ist.

Und nun glaube ich, dass die gekürzte Fassung von Virenkrieg den Erfordernissen einer Druckfassung besser genügt als die frühere, deutlich längere Fassung — die trotzdem weiter erhältlich sein wird, wenn auch „nur“ als E-Book.

Mehr zu Virenkrieg: –> HIER.

Mehr zu Skylla, der Fortsetzung: –> HIER.

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8 Antworten auf „Virenkrieg“ für eine Printfassung überarbeitet

  1. xiane sagt:

    Ja, lutz, ich habe mit solchen (ver)kuerzungen auch einige erfahrungen gemacht und finde es wesentlich besser und kreativer, selbst hand anlegen zu koennen.
    ich werde sicher dann mal die alte und neue version vergleichen…nach der fortsetzung…

  2. Nefertari sagt:

    Bin gespannt auf das Gefühl, den „Virenkrieg“ als Print in den Händen zu halten! Gern bitte mit Autogramm 😉

  3. Lutz Büge sagt:

    Ja, Walter, ich auch. Ich habe zwar einen E-Reader, aber ehrlich gesagt nutze ich ihn kaum. Peinlich für einen E-Book-Autor, oder? Aber damit kann ich leben.

    Liebe Xiane, über diese Erfahrung kannst Du Dich dann mit dem Verleger auseinandersetzen. Ich bin schon gespannt, was der sagt, denn er muss den Roman nun natürlich auch (noch mal) lesen, obwohl er schon die ganze Entstehung begleitet hat.

    Ja, Nefertari, das ist noch so ein Vorteil von gedruckten Büchern: E-Books kann man nicht signieren. Das kriegen wir hin. Vielleicht organisieren wir dann nächstes Jahr mal eine Lesung in Deiner Ecke, was?

  4. Manfred Petersmark sagt:

    Also, isch bin dem Walter Kuckertz nur in die Seit am trete, wenn der schreibe dut, daß er in em Fall von em Vireterroraagriff am liebste im Babier blättern dut. Isch mach des aach, wo isch schon die ganz Woch mit meim Schnubbe rumrotze duh. Da helfe werklisch nur Dembo-Düscher!

  5. Xiane sagt:

    also, ich war schon immer ein papier(lese)tiger und habe mir ausschliesslich wegen lutz einen ibugrihder angeschafft – naiverweise (um amazon nicht zu unterstützen) einen tolino….der mir aber (trotz anderer werbung) den zugang zu lutzens werke verweigerte. dann musste ich doch in den amazonapfel beissen… den virenkrieg konnte ich also nur so entdecken und verinnerlichen… aber für unterwegs oder im wartezimmer ist so n e-ding manchmal doch ganz praktisch… und dafür nutze ich es auch. ansonsten türmen sich die bücherstapel um mich herum weiter auf…
    hätte ich gewusst, dass es dann mal einen printverlag geben würde, der auch den virenkrieg schwarz auf weiss drucken würde, hätte ich ja warten können. aber so visionär war ich leider nicht… und nun isses eben so.