Ägypten wie zu Agatha Christies Zeiten

Heute mal was ganz anderes. Es ist ja eigentlich unverschämt, dass alle Leute rund um mich herum jetzt Urlaub machen, während ich selber keine Zeit zum Verreisen habe. Mein nächster Urlaub ist erst in einigen Wochen (und das wird auch Zeit!). Auch meine Leserin Carmen Nagel aus Wernigerode war jüngst unterwegs — und zwar auf den Spuren von Theo Magenheim und Serafina Belzoni aus „Der Osiris-Punkt“. Hier kommt ihr Reisebericht mit ihren Eindrücken aus Ägypten, einem Land, das es zurzeit nicht gerade leicht hat.

Ägypten wie zu Agatha Christies Zeiten

von Gastautorin Carmen Meyer

Auch in Hurghada, wo wir am 30. Januar landeten, ist die ägyptische Krise zu bemerken. Es war deutlich weniger los, als ich es von früheren Besuchen gewohnt war. Das hatte natürlich Vorteile: Kein Gedränge am Buffet, immer ein Liegeplatz am Pool … Aber für die Ägypter ist es natürlich nicht gut, wenn so wenig los ist.

Wir waren im Vier-Sterne-Hotel „Jungle Aqua Park Resort“ untergebracht. Ein klasse Hotel für Kids, mit großem Aqua- und Rutschenpark. Animation für Große und Kleine, viele verschiedene Restaurants, Bars und Cafés. Alle Hotelangestellten waren sehr freundlich und bemüht. Wir haben uns richtig gut aufgehoben gefühlt.

Das Hotel war nicht ausgebucht aber gut gefüllt, Russen kommen ohne Vorbehalte, ägyptische Familien waren auch im Hotel anzutreffen, da in Ägypten gerade Winterferien waren. Auch wir Deutschen waren gut vertreten, wohl aber nicht so zahlreich wie in der Zeit vor dem Reisestopp vom August 2013 und allgemein vor der „Revolution“. Die Verkäufer in den Shops fragten uns, wo die deutschen Urlauber bleiben. Wir waren etwas ratlos. Vielleicht Angst, Vorbehalte, verunsichert durch die Medienberichte …

Vor unserer Reise (unserem Abflug) waren auch wir natürlich etwas verunsichert und fragten uns, ob wir mit meinen Enkelsöhnen einen Ausflug nach Luxor wagen können. Aber unsere Zweifel waren verflogen, schon als wir ägyptischen Boden betreten hatten. Die Unruhen beschränken sich ja auch nur auf Kairo und auf Teile des Sinai.

Natürlich haben wir uns dann auf den Weg nach Luxor gemacht. Ein Privatausflug in einem Kleinbus, mit unseren zwei Fahrern, beide Namens Achmed, und unserem Reiseleiter und Ägyptologen Mohamed. Dieses mal ohne Konvoi, den es seit 2008 nicht mehr gibt. Zum Leidwesen der Ägypter waren die Tempel und Gräber von Besuchern relativ leer. So schlimm es für die Ägypter ist, ich denke, den Tempeln und Gräbern, tut diese Auszeit auch einmal gut. Auch ist es ein anderes Wahrnehmen, wenn man z.B. im Grab von Ramses IX. fast alleine ist. Vielleicht war es so zu Agatha Christies Zeiten.

So eine Privattour hat ihre klasse Seiten. Mohamed war nur für uns da, hat uns erklärt und uns Zeit zum selber Erkunden gegeben. Auch hat er gut auf uns aufgepasst, weil die Polizei manchmal ihren Job nicht mehr ganz so ernst nimmt wie vor den Unruhen. Mohamed hat uns auch ein super Restaurant mit sehr schmackhaftem Essen in Luxor zum Mittag ausgesucht. Das liegt sicher daran, weil er in Theben-West geboren ist, oder allgemein, ein gebürtiger Luxoraner ist.

Auch die Fahrt durch die Arabische Wüste war nicht langweilig, da wir uns angeregt über Geschichte und Kultur unterhalten haben. Kontrollstationen gibt es nach wie vor in der Wüste und in Luxor.

So leer ist es am Eingang zum großen Amun-Tempel von Karnak, der größten Tempelanlage Ägyptens, nur selten. Es war so gegen 10 Uhr früh. Keine Besuchermassen, wie man es aus früheren Zeiten gewohnt war. Wir waren montags in Luxor, dienstags und sonntags sollen die besucherstärksten Tage sein. Ein komisches Gefühl, alles so ungewohnt leer vorzufinden. Vielleicht hat Amun-Re mit Absicht einen Lichtstrahl geschickt, wie im nebenstehenden Bild zu sehen, um auf seinen Tempel aufmerksam zu machen.

Auch hier waren etliche ägyptische Familien in den Ferien unterwegs. Viel Platz und Ruhe um die Säulen zu betrachten und den Kids so einiges zu erklären und vor allem zum Genießen.

Ich persönlich konnte durch die Ruhe und Leere im Tempel meiner Hochachtung und Ehrfurcht vor dieser baulichen Leistung richtig gut freien Lauf lassen. Natürlich habe ich dabei auch nicht vergessen, dass ich mich an einem religiösen Ort befunden habe. Das achte ich.

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Zur Überfahrt ans Westufer, hatten wir ein Boot für uns ganz alleine. Der Bootsführer schipperte uns eine Weile, zum Schauen und Genießen über den Nil. Traumhaft! Mit Blick auf den Luxortempel und die Thebanischen Berge. Immer noch liegen viele Nilkreuzfahrtschiffe leer am Ufer. Obwohl ich nicht für diese Art von Nilkreuzfahrt bin, ich würde lieber mit einer Dahabiya reisen, stimmte der Anblick nachdenklich. Es lagen etliche Schiffe in Dreierreihe ohne Passagiere nebeneinander. Das heißt ja auch, die Besatzungen und das Personal sind zur Zeit ohne Job. Also kein Einkommen. Für uns unvorstellbar, wir sind ja mit Arbeitslosengeld abgesichert.

So einsam hat man den Ausgang des „Tals der Könige“ auch nur selten gesehen — zu unserer Freude, zum Leidwesen der Ägypter. Ab und an eine kleine Reisegruppe, ansonsten waren wir „fast“ alleine zur Besichtigung der Gräber.

Auch der Tempel der Hatschepsut, wo vor 17 Jahren 68 Menschen bei einem Terroranschlag von Islamisten ums Leben kamen, war entspannt zu besichtigen: Zeit und Ruhe ohne Gedrängel, um alles zu betrachten und den Kids zu erklären. Hatschepsut als Osiris noch mit Originalfarbe — wunderschön. Die polnische Truppe hat hier am und im Tempel fantastische Restaurations-Arbeit geleistet und ist nebenan immer noch am Arbeiten.

Letzendlich muss und will ich berichten, wir haben uns sehr sicher und gut aufgehoben gefühlt. Nichts von Unruhen oder Gefährlichkeiten mitbekommen. Es war ein super Urlaub in Ägypten und unser Ausflug nach Luxor war mehr als gelungen. Es hat sich auch nichts an der Gast- und Kinderfreundlichkeit der Ägypter  geändert. Ich habe mir sagen lassen: Es geht langsam wieder bergauf mit den Ägypten-Besuchern, das ist sehr erfreulich und gibt Hoffnung.

Ich habe mir einen Wunsch erfüllt mit dieser Reise. Da meine Tochter und ich die Liebe zu Ägypten teilen, hatte ich den Wunsch, auch meinen Enkelsöhnen einen Einblick in das alte und neue Ägypten zu vermitteln. Das ist uns sehr gut gelungen. Ein Beispiel für das alte Ägypten: Mein kleiner Enkel mit seinen 6 Jahren, stand fasziniert vor den Hieroglyphen in den Gräbern … Wunderbar!

Noch einige Anmerkungen meinerseits. Natürlich klopfen bettelnde Kinder an die Busfensterscheiben, solche Dinge gehen selbstverständlich emotional an die Nieren. Wer so etwas nicht verkraften kann, sollte Abstand von solchen Reisen nehmen. Auch die Händler wollen ihre Waren an den Mann/Frau bringen. Mohamed hat uns vorher belehrt, wie wir uns verhalten sollen, und das hat sehr gut funktioniert.

Ich hatte die Gelegenheit, mich mit Ägyptern über die politische Lage zu unterhalten. Ganz kurz zusammengefasst: 1. Wut auf Mubarak weil er sich und seine Familie bereichert hat, obwohl es viel Armut in Ägypten gibt. 2. Mursi hat in seinen Reden das ägyptische Volk wie kleine Kinder behandelt. 3. Viele Ägypter sind zur Zeit im al-Sisi-Fieber. Die Ägypter wollen mitbestimmen und mündig sein! Außerdem wird verurteilt, dass Hilfen aus dem Ausland in Waffenschiebereien landen. Ich wünsche mir Frieden für Ägypten!!!

Zum Schluss ein paar Fragen an Carmen.

Lutz: Man merkt Deinen Bildern eine gewisse Liebe zum Detail an. Findest Du ein paar Farbreste an einer Pharaonen-Statue wirklich interessant?

Carmen: Ja natürlich, überleg mal wie alt die Farben sind und was die Bildhauer und Steinmetze geleistet haben….

Lutz: Woher kommt diese Liebe zum alten Ägypten?

Carmen: Ich habe als Kind im Kino eine Monumental – Klamotte über das Alte Ägypten gesehen, da hat sich etwas in meinem Kopf festgesetzt, Neugier und Sehnsucht sind entstanden. Als ich 1996 das erste Mal in Luxor war, hat es mich richtig erwischt, da ist eine Liebe entbrannt … Schwer zu beschreiben. Das versteht wahrscheinlich nur jemand, der diese Liebe teilt. Außerdem liegt mein Geschichtsinteresse allgemein in der Antike.

Lutz: Du hast Dich auf dieser Reise rundum sicher gefühlt? Oder gab es kritische Momente?

Carmen: Es gab überhaupt keine kritischen Momente, abgesehen vom ägyptischen Fahrstil und zum Teil dem Zustand der Straße durch die Wüste. 😉 Wir haben uns zu jeder Zeit sicher gefühlt.

Lutz: Und zur Unterhaltung zwischendurch hast Du Dir einen meiner Romane mitgenommen. Auf dem Bild oben liest Du ihn gerade auf Deinem Smartphone. Welcher war’s denn?

Carmen: Teil 10 vom „Virenkrieg I“  Wieder ein super gelungenes Werk von Dir!!! Ich freue mich schon auf alles was Du noch schreiben wirst!!!

Lutz: Unser Kontakt kam aber durch den Roman „Der Osiris-Punkt“ zustande. Wie hat der Dir gefallen?

Carmen: Was für eine Frage … „Der Osiris-Punkt“ gehört zu meinen Top-Favoriten unter allen Büchern die ich gelesen habe. Und ich lese schon Romane, solange ich lesen kann.

Carmen Meyer interessiert sich für das alte Ägypten, seit sie denken kann. Sie ist 50 Jahre alt, liiert, Mutter einer Tochter, Großmutter zweier Enkelsöhne und lebt in Wernigerode.

Text und Bilder sind urheberrechtlich geschützt. © Carmen Nagel.

“Die mächtigen, beleuchteten Kolonnaden des Sethos-Tempels schienen nur einen Steinwurf weit entfernt. Mitten aus dem Ort erhob sich das alte Bauwerk, doch es war früher hier gewesen als jedes Haus in Abydos, früher als Islam und Christentum, und entsprechend selbstbewusst und schweigend ragte es aus damaliger Zeit in die Gegenwart hinein …”

Packendes Wüstenabenteuer um einen sagenhaften Pharaonenschatz und um Menschen, die auf der Suche nach sich selbst sind. Kenntnisreich und spannend erzählt von Lutz Büge. Roman in drei Teilen zum Preis von 2,99 bzw. 3,49 Euro. Nur als E-Books! Zum Download geht es HIER.

3 Antworten auf Ägypten wie zu Agatha Christies Zeiten

  1. Kerstin Streller sagt:

    Hallo Herr Blüge, schade, dass es Ihre Bücher nur als E-Books gibt. Viele Grüße Kerstin Streller

  2. Lutz Büge sagt:

    Hallo Frau Streller,
    das wird aber hoffentlich nicht so bleiben. Ich zähle fest darauf, dass „Der Osiris-Punkt“ sich als E-Book weiter verbreitet, wenn er ab nächste Woche auch auf Tolinos und Tablets gelesen werden kann. Und wenn er erfolgreich genug ist, findet sich bestimmt auch ein Verlag, der ein Print-Buch davon macht.
    Viele Grüße, Lutz