Gärtner oder Architekt? Wie Autoren ticken

Virenkrieg

Roman-Zyklus von Lutz Büge

McWeir – Virenkrieg V (Ebook)

Biowaffen, Geheimorganisationen
und einsame Entscheidungen –
die Menschheit am Rand ihrer Auslöschung.

„Ein Zukunftsthriller,
der erschreckend real erscheint.“

Maren Bonacker über „Virenkrieg“ im
Börsenblatt des deutschen Buchhandels (19/2020)

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Gärtner oder Architekt? Wie Autoren ticken

Wenn ich einen Roman zu schreiben beginne, habe ich normalerweise mehrere Zwischenstationen der Handlung klar vor Augen. Zugleich weiß ich zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht, was zwischen diesen Stationen genau passiert. Ein Beispiel: Von Anfang an, schon bevor ich mit dem Schreiben begann, sah ich Jonathan Schwartz in McWeir – Virenkrieg V auf einem Dach in New York stehen und nach den Raketen ausspähen. Ich wusste auch schon genau, was zur gleichen Zeit mit der achtjährigen Gloria im Central Park passiert. Später sehe ich Johnathan, wie er mit dem Fahrrad Reißaus nimmt. Was dazwischen im Roman passiert, das hat sich alles im Zuge des Schreibens so gefügt, dass es zu diesen Stationen gepasst und zu ihnen hingeführt hat. Dabei hat manchmal auch der Zufall Regie geführt. Die Idee, dass die Kokons, in die die Opfer der Biowaffe gehüllt werden, die Farbe von Glückskeksen haben sollten, kam mir nach einem Essen beim Chinesen um die Ecke. Dort gibt es hinterher immer Glückskekse. Diese Idee hat mich sofort überzeugt.

Virenkrieg-Autor Lutz Büge
schreibt auf Ybersinn.de über
die Hintergründe seines Romanzyklus.

Ich frage mich, wie das zur Theorie von George R. R. Martin passt, dem Autor der Fantasy-Romanserie „Das Lied von Eis und Feuer“, besser bekannt unter dem Namen der Verfilmung als TV-Serie: „Game of Thrones“. Martin zufolge gibt es zwei Arten von Schriftstellern: Architekten und Gärtner. Der Architekt plant alles, bevor er mit dem Schreiben beginnt, hat eine Blaupause der Geschichte und weiß, wie sie zu konstruieren ist. Der Gärtner jedoch pflanzt Samen und schaut, was wächst.

Dieses Bild ist höchst anschaulich, auch wenn man natürlich einwenden könnte, dass bei der Umsetzung einer TV-Serie ganz andere Mechanismen zum Tragen kommen als beim einsamen Schreiben eines einzelnen Menschen in seinem Autorenkabäuschen. Da gibt es Produzenten, die mitreden, da muss die Finanzierung gesichert werden, und ich stelle mir vor, wie die Controller am Set von „Game of Thrones“ durch die Kulissen huschen und schweißüberströmt mahnen: Zu teuer, zu teuer! Es ist wohl klar, dass Drehbuchautoren unter solchen Bedingungen nicht einfach zuschauen können, welchen Sproß ein Same nun aus seiner Laune heraus zu treiben gedenkt. Sie sind Architekten. Ich finde das Bild stimmig, auch wenn ich nicht glaube, dass diese Autoren zu Beginn bereits genau wissen, wie der Plot laufen soll. Auch bei ihnen dürften sich Prozesse in der Entwicklung der Geschichte abspielen, an der sie schreiben.

Das Bild vom Gärtner hingegen finde ich nicht so richtig stimmig. Die Rolle ist mir zu passiv. Der Autor schaut ja nicht einfach nur zu, wie sich etwas beim Schreiben entwickelt, denn dieses Etwas entwickelt sich durch ihn hindurch und hat mit ihm zu tun. Und auch mit rationellen Abwägungen. Die Zahl der Strandspaziergänge ist Legion, bei denen mein Mann und ich in Marseillan-Plage überlegt haben, wie man dies und das in der Handlung wenden könnte. Das gilt nicht nur für meine Virenkrieg-Romane, sondern auch für Der Osiris-Punkt und Der hölzerne Pharao.

Dabei geht es keineswegs immer nur im Feinheiten. Im Sommer 2013 hatte ich die ersten sechs Kapitel von Virenkrieg – Erstes Buch recht flott geschrieben, aber jetzt brauchte ich einen Knaller. Darf ich das so platt sagen, wenn es um einen Terroranschlag geht? Ich wusste jedenfalls nicht, wie es weitergehen sollte. Wie es dann weiterging, das habe ich schon in meiner autobiographischen Bilderserie Blicke 2020 erzählt: Wie ich beschloss, die Queen Mary 2 zu kapern. Tatsache ist: Von wegen Architekt! Die ganze zweite Hälfte des Romans entstand aus einer momentanen Eingebung heraus. Aber bin ich deswegen ein Gärtner?

Mir wäre sicher auch noch etwas anderes eingefallen, aber die Idee, die Queen Mary 2 zu kapern, war die bestmögliche. Und dann hat sich alles weitere wie von selbst gefügt, obwohl ich vorher davon keine Zwischenstationen kannte. Es ist allerdings auch für mich als Autor sonderbar, wie passgenau sich dann manches gefügt hat. Ich kann George R. R. Martin durchaus nachvollziehen, wenn er sagt, dass Schreiben für ihn ein Prozess sei, bei dem es stets Offenbarungen gebe.

Nächste Woche: Die Entstehungsgeschichte von „McWeir – Virenkrieg V“

Das Virenkrieg-Finale – Eine Übersicht

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