Präsident Eisenhower und der militärisch-industrielle Komplex

Virenkrieg

Roman-Zyklus von Lutz Büge

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Incubus – Virenkrieg III
erscheint am 7.5.2019 (eBook)

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Biowaffen, Geheimorganisationen und einsame Entscheidungen – die Menschheit am Rand ihrer Auslöschung.

„Willkommen in einer Welt, in der es keine saubere Trennung mehr gibt zwischen Gut und Böse, richtig und falsch.“
Frankfurter Rundschau vom 13.8.2015

Vorläufiges Cover

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Präsident Eisenhower und der militärisch-industrielle Komplex

Am 17. Januar 1961 hielt der scheidende US-Präsident Dwight D. Eisenhower, genannt „Ike“, ein Veteran des Zweiten Weltkriegs, eine bemerkenswerte Abschiedsrede. Darin heißt es:

„Wir in den Institutionen der Regierung müssen uns vor unbefugtem Einfluss – beabsichtigt oder unbeabsichtigt – durch den militärisch-industriellen Komplex schützen. Das Potenzial für die katastrophale Zunahme fehlgeleiteter Kräfte ist vorhanden und wird weiterhin bestehen. Wir dürfen es nie zulassen, dass die Macht dieser Kombination unsere Freiheiten oder unsere demokratischen Prozesse gefährdet. Wir sollten nichts als gegeben hinnehmen. Nur wachsame und informierte Bürger können das angemessene Vernetzen der gigantischen industriellen und militärischen Verteidigungsmaschinerie mit unseren friedlichen Methoden und Zielen erzwingen, so dass Sicherheit und Freiheit zusammen wachsen und gedeihen können.“

Schutz vor dem „militärisch-industriellen Komplex“? Wer oder was soll das sein? Bis zu dieser Rede hatte noch niemand von der Existenz dieses Komplexes gehört.

Virenkrieg-Autor Lutz Büge
schreibt auf Ybersinn.de
über die Hintergründe seines
Romanzyklus und erläutert
Zusammenhänge mit
der realen Gegenwart.

Wer heute den Begriff „militärisch-industrieller Komplex“ in den Mund nimmt, läuft Gefahr, in die Ecke der Verschwörungstheoretiker gestellt zu werden. Dabei geht es eigentlich um nichts anderes als darum, Beziehungen zwischen Entscheidern kenntlich zu machen. Wenn Entscheidungsprozesse intransparent verlaufen, kann das Gefahr für die Demokratie bedeuten. Genau das erleben wir gegenwärtig in Deutschland und Europa, wo die handelnden Politiker dem Wahlvolk kaum noch vermitteln können, warum viele ihrer Entscheidungen zugunsten der Wirtschaft ausfallen, obwohl das Gemeinwohl etwas anderes verlangt. Stichworte Glyphosat, Braunkohle, Dieselskandal, um nur drei Themen zu nennen.

Doch seien wir vorsichtig und zurückhaltend mit Urteilen. Bleiben wir bei dem, was „Ike“ gesagt hat. Der Präsident hätte diese Worte nicht gewählt, wenn er keine Veranlassung dazu gesehen hätte. Er sah wohl eine Gefahr heraufziehen.  Die Vermutung liegt nahe, dass er während seiner zwei Amtsperioden als Präsident mit jenen Strukturen zu tun hatte, die er in seiner Rede als „militärisch-industriellen Komplex“ zusammenfasste. Damit lieferte er der amerikanischen Öffentlichkeit Häppchen, über die sich trefflich spekulieren ließ, blieb zugleich aber bemerkenswert unkonkret.

„Ike“ spricht von unbefugtem Einfluss. Wie sieht dieser Einfluss aus? Wie wird er genommen? Der Präsident warnt vor einer katastrophalen Zunahme fehlgeleiteter Kräfte. Inwiefern fehlgeleitet? Was für Kräfte? Das bleibt unklar, aber sie könnten „unsere Freiheiten“ und demokratische Prozesse gefährden. Wie schaffen die das?

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Der 34. US-Präsident
David Dwight Eisenhower (1890-1969).
Bild: Wikicommons

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Eisenhower spricht von einer „gigantischen industriellen und militärischen Verteidigungsmaschinerie“, als würde diese parallel zur Zivilgesellschaft existieren, ohne Verbindung zu ihr. Er empfiehlt den informierten, mündigen Bürgern, diese Maschinerie zu vernetzen, also einzubinden, damit „Sicherheit und Freiheit zusammen wachsen“ können. Aber um das zu schaffen, müsste man zunächst mal wissen, wie diese Maschinerie aussieht und wer an ihren Hebeln sitzt. Der Präsident bleibt jedoch nicht nur nebulös, er nennt auch keinerlei Namen. Seine Warnung muss die Menschen, die sie vernehmen, ratlos hinterlassen.

Oder auch nicht. Die Anstrengungen der USA im Zweiten Weltkrieg hatten eine Kriegswirtschaft entstehen lassen. Anders als in den vom Krieg unmittelbar betroffenen und zum größten Teil zusammengebrochenen Ländern Europas existierte diese Kriegswirtschaft nach dem Ende des Krieges weiter. Es gab dann auch gleich wieder Einsatzgebiete, die zu beweisen schienen, dass die Rüstungsindustrie weiterhin im gewohnten Umfang gebraucht wird: der Korea-Krieg, der beginnende Kalte Krieg, später, nach „Ike“, die Kuba-Krise und der Vietnamkrieg. Die USA fanden sich nach dem Weltkrieg in einer Rolle wieder, in der sie sich nur teilweise wohlfühlten. Traditionell agieren die Vereinigten Staaten eher isolationistisch. Doch nach 1945 trat ein neuer Konflikt hervor, ein globaler „clash“ der Systeme, der Ideologien: Kommunismus vs. Kapitalismus.

Eisenhower war selbst mittendrin. Er vertrat die Doktrin der „massiven Vergeltung“, die sich gegen die Sowjetunion richtete: Jeder Angriff auf einen Nato-Staat sollte mit einem vernichtenden nuklearen Gegenschlag beantwortet werden. Diese Drohung konnte allenfalls zu Zeiten funktionieren, als die USA allein im Besitz des Machtmittels „vernichtender nuklearer Gegenschlag“ waren. Das änderte sich jedoch rasch während „Ikes“ Präsidentschaft. Von dem Moment an, in dem die Sowjetunion in der Lage war, nuklear zu antworten, war die Doktrin der massiven Vergeltung ein Popanz. Selbst wenn sie nur abschrecken sollte: Wem hat das alles genützt?

„Wir sollten nichts als gegeben hinnehmen“, hat Präsident Eisenhower gesagt. Das Problem dabei: Diesem „Wir“ steht „der Komplex“ gegenüber. Der hat Geld, Einfluss, Kontakte. „Wir“ hingegen, der „mündige, informierte Bürger“, von dem Eisenhower sprach, haben nur ein Machtmittel: die Wählerstimme. Das müssen wir wohl als gegeben hinnehmen.

Nächsten Dienstag: Cover-Designerin Isabella V. Galanty im Interview

Das Virenkrieg-Finale – Eine Übersicht

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