… als wolle er sagen: Ich werde nicht lautlos untergehen!

Virenkrieg

Roman-Zyklus von Lutz Büge

McWeir – Virenkrieg V

Biowaffen, Geheimorganisationen
und einsame Entscheidungen –
die Menschheit am Rand ihrer Auslöschung.

„Ein Zukunftsthriller,
der erschreckend real erscheint.“

Maren Bonacker über „Virenkrieg“ im
Börsenblatt des deutschen Buchhandels (19/2020)

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… als wolle er sagen: Ich werde nicht lautlos untergehen!

Jedesmal, wenn wir uns den Film „Independence Day“ anschauen, gibt es an einer bestimmten Stelle  ein Zusammenzucken, eine Art peinliches „Huch!“ Ich nehme an, Du kennst den Film. Trotzdem zur Einfühlung: Außerirdische fallen über die Erde her und wollen alles plattmachen. Warum, wieso und so weiter, das ist erstmal egal. Das ist die Situation. Die Außerirdischen sind technologisch weit überlegen. Es deutet sich an, dass die Menschheit ausgelöscht werden könnte. Da bündeln die Überlebenden ihre Kräfte, und der Präsident der USA stellt sich hin und hält diese Rede, die in den Worten kulminiert: „Und sollten wir diesen Tag überstehen, wird der 4. Juli nicht mehr länger nur ein amerikanischer Feiertag sein. Sondern der Tag an dem die Welt mit einer Stimme erklärt: Wir werden nicht schweigend in der Nacht untergehen. Wir werden nicht ohne zu kämpfen vergehen.“

Virenkrieg-Autor Lutz Büge
schreibt auf Ybersinn.de über
die Hintergründe seines Romanzyklus.

Nun ja, ein Film. Aber stell Dir das mal als real vor. Es muss nicht dieselbe Situation sein. Also lassen wir die Außerirdischen weg. Es gibt ja auch sonst drangvolle  Situationen. In meinem Roman Evan – Virenkrieg IV beispielsweise kommt der bedauernswerte Phil Schwartz jr. in eine Situation, die man niemandem wünschen möchte: Er muss im Weißen Haus unter einen Tisch kriechen, weil die Residenz im Zuge eines Staatsstreichs angegriffen wird. Da heißt es im Roman:

„Den Untergang der Welt konnte Phil nicht verhindern, indem er schrie, doch er konnte seinen Protest und sein Entsetzen zur Kenntnis geben, als wolle er sagen: Ich werde nicht lautlos untergehen!“  (Seite 381)

Dieses peinliche Zusammenzucken bei der Rede von Präsident Whitmore (Bill Pullman) entsteht, glaube ich, aus der Konfrontation von Filmwirklichkeit und Realität. Eben hier zeigt sich, dass die Filme von Roland Emmerich zwar gut zu unterhalten vermögen, dass sie aber nicht wirklich gut sind. Dann sonst hätte der „Master of Desaster“, wie Emmerich, der Macher von „Independence Day“ auch genannt wird, mehr Mühe gegeben, seine Filmwirklichkeit an unsere Realität anzukoppeln. Das wäre durchaus möglich gewesen. Er interessiert sich aber vor allem für das, was man heute „Schauwerte“ nennt, also optische Sensationen. Die Gefahr kommt von außen, sie hat nichts mit uns zu tun.

Wenn man sich aber auf die Situation einlässt, also auf die Verzweiflung, die Aussichtslosigkeit im Angesicht des eigenen Unterlegen-Seins, wenn das also nicht nur eine Film-Situation wäre, sondern eine echte Situation, dann müsste man wohl durchaus dankbar sein für eine Rede wie die, die Präsident Whitmore da hält. Ich muss in diesem Zusammenhang an meinen Vater denken, der uns undankbaren Kindern immer dann, wenn wir besonders undankbar waren, die Geschichte erzählte, wie er als kleiner Junge in Rathenow im Keller saß, während oben die Bomben der Alliierten fielen. Mein Vater sagte: „Dann fängst du an zu beten.“

Mein Vater war nicht religiös. Es ging um Verzweiflung und Ausgweglosigkeit. Er hat die Bombennacht überlebt, war aber offenkundig traumatisiert und fürs Leben gezeichnet. Es hätte ihm sicher geholfen, wenn einer der Menschen, die da mit ihm im Keller gesessen haben, aufgestanden wäre und mit derselben Überzeugung und Gewissheit wie Whitmore gerufen hätte: „Wir werden nicht schweigend in der Nacht untergehen!“ Aber diese Kraft musst Du erst aufbringen. Im Film geht das, so werden Heldenfiguren inszeniert. In der Realität werden wir heutzutage nur selten dazu gezwungen, unseren Willen zum Überleben zu bekunden.

Die Filme von Roland Emmerich haben mich oft beeindruckt. Auch wegen der tricktechnischen Umsetzung. Ich geb’s zu: Ich mag es, optisch überwältigt zu werden. Aber sie haben mich oft auch darüber hinaus beschäftigt, bis ich begriffen habe: Das, was mich beschäftigt, ist vor allem das, was in diesen Filmen fehlt. Ich habe auf dieser Webseite im Jahr 2013 eine Rezension von „White House Down“ geschrieben: Grobmotorische Ironie. Ich mag den Film immer noch, trotz seiner Schwächen, aber auch hier fehlt die Anbindung an die Wirklichkeit. Der „Bösewicht“ bezieht sein Motiv aus einer Entscheidung des Präsidenten, durch die er einen persönlichen Verlust (seinen Sohn) erleidet, und so zieht er gegen den Präsidenten ins Feld. Politik trifft Soap? Misslungen. Das ist arg dünn.

Phil Schwartz jr. ist kein Held. Er ist Berater und Redenschreiber. Ihm ist klar: Er ist ein Schreibtischtäter. Er hat nicht gedient, jedenfalls nicht im militäischen Sinn. Trotzdem wird er in militärische Ereignisse hineingezogen, völlig unverschuldet wie damals mein Vater im Keller in Rathenow. Und er schreit. Würde ich auch machen. Es bliebe sonst ja nichts.

In zwei Wochen:

Das Virenkrieg-Finale – Eine Übersicht

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+++ Virenkrieg-Zyklus +++  Evan – Virenkrieg III +++ Lutz Büge +++

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