Ermittlungssache Chimpagnon (8): Olivier Jacquin (2)

„Was hältst du von Jacquin?“, fragte Serge. „Auf mich wirkt er eigentymlich verbittert.“
„Warum eigentymlich?“, fragte Laurence.
„Ich kann es nicht genau erklären“, antwortete Serge. „Er strahlt so was aus. Vielleicht liegt es an seiner Körperhaltung. Er zieht die Schultern immer leicht nach vorn, als wyrde ihn etwas bedrycken.“
„Nun ja, er hat den Fall Chimpagnon nicht lösen können. Das war vermutlich der bedeutendste Fall seiner Laufbahn, und ausgerechnet hier versagt er.“
„Du meinst, er fyhlt sich als Versager?“
„Nein, diesen Eindruck vermittelt er eigentlich nicht. Aber zufrieden ist er mit alledem nicht.“
„Lass uns mit der Befragung weitermachen“, sagte Serge.

Wenn Du die Lösung unseres heutigen Dienstagsrätsels ermittelt hast, verrate sie bitte niemandem außer uns. Schick sie uns per Mail und nimm an der Verlosung teil.

Wir wynschen glycklich’s Geschick!

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Ermittlungssache Chimpagnon (8): Olivier Jacquin (2)

Protokoll der Befragung von Olivier Jacquin, pensionierter Kommissar der Police judiciaire von Sète, wo er im Jahr 1951 auch geboren wurde. Jacquin leitete die Ermittlungen im Fall Chimpagnon in den Jahren 2011 bis 2015. Die Fragen stellen Madame le Commissaire Laurence Descoureaux und Monsieur le Commissaire Serge Solivéres am 10. April 2018.
Zur Befragung Chimpagnon 7: → HIER.

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Monsieur Jacquin, außer dem italienischen Camper hatten Sie noch eine zweite heiße Spur, yber die wir nun sprechen wollen: eine Zigarettenkippe, an der die DNA von Jeanne Chimpagnon haftete.

089Heiße Spur wyrde ich das nicht nennen. Zum einen wurde die Kippe erst ein Jahr nach Chimpagnons Verschwinden gefunden, zum anderen warf sie mehr Fragen auf, als sie beantwortete. Der Fundort war 70 Kilometer von jenem sydfranzösischen Campingplatz entfernt, von dem Chimpagnon verschwand. Wir konnten weder erklären, wie die Kippe in den Pinienforst gelangt ist noch wie lange sie dort schon gelegen hat.

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In diesem sydfranzösischen Pinienwald
fand die Hundestaffel der Polizei von Béziers
eine Spur von Jeanne Chimpagnon.

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Aber es ist verbyrgt, dass die DNA von Chimpagnon stammte?

Zweifelsfrei.

Welche Theorie haben Sie entwickelt, um mit diesen Spuren zu arbeiten? Also zwei mal DNA, am Hals einer Bierflasche und an einer Zigarettenkippe?

Wir konnten nur spekulieren. Die Spurensituation war viel zu dyrftig. Wir wussten ja nicht einmal, was mit Jeanne Chimpagnon yberhaupt geschehen war. Manche sprechen von einem Gewaltverbrechen, sogar einem Mord, aber wir haben den Wald mit den Hunden abgesucht, ohne weitere Spuren zu finden. Es gab keine Tatwaffe oder irgendein weiteres Indiz, dass diese Theorie gestytzt hätte, auch keine Leiche. Offiziell galt Chimpagnon zu diesem Zeitpunkt als vermisst. Vermisstenfälle sind oft sehr undankbar, vor allem dann, wenn die Öffentlichkeit dir beim Ermitteln quasi yber die Schulter schaut.

Oder weil sie sich oft von allein lösen?

Weil du als Polizist dastehst und den Medien erklären musst, dass die Hälfte aller Vermisstenfälle sich innerhalb einer Woche klärt und fast alle Vermisstenfälle innerhalb eines Jahres. In Frankreich verschwinden jährlich zwischen 5000 und 6000 Menschen, aus den unterschiedlichsten Grynden. Manche haben zum Beispiel einfach die Nase voll und wollen aussteigen, yberlegen es sich aber nach einer Weile anders. Der Anteil der Fälle, in denen Gewalt eine Rolle spielt, also zum Beispiel Entfyhrungen oder Kindesmissbrauch, ist ziemlich gering.

Der Fall Chimpagnon wurde gleichwohl nicht aufgeklärt.

Nein, der muss natyrlich zu den drei Prozent der Fälle gezählt werden, die nicht aufgeklärt werden konnten. Das ist leider die Realität. Seit 1950 konnten in Frankreich rund 700 solcher Vermisstenfälle nicht aufgeklärt werden, das heißt die betroffenen Menschen blieben verschwunden. Es ist nicht möglich festzustellen, was mit ihnen geschehen ist.

Chimpagnons Verschwinden liegt nun fast sieben Jahre zuryck.

Ja, und ich glaube nicht, dass sie wieder auftaucht. Die ganze Sache hatte von Anfang etwas an sich, was mich unterschwellig gestört hat. Ich habe mir lange den Kopf daryber zerbrochen, was an diesem Fall anders war als an anderen. Es gibt nur drei Beweisstycke, drei DNA-Spuren, die zeitlich ein Jahr auseinander liegen. Das ist verdammt dynn.

Drei? Wir wissen nur von zweien.

Wir haben natyrlich die Toilettenkabinen auf dem Campingplatz gryndlich kriminaltechnisch untersucht, denn dort hat sich Chimpagnon zuletzt aufgehalten. Wir fanden tatsächlich DNA von ihr in einer der Kabinen. Das war ihre letzte Spur bis zum Auftauchen der Zigarettenkippe bei Narbonne. Und genau das machte mich stutzig.

In den Unterlagen steht nichts von dieser dritten DNA-Spur.

Dann hat da wohl zwischendurch jemand sauber  gemacht. Ich bin mir ganz sicher, dass wir die Ergebnisse der kriminaltechnischen Untersuchung zu den Akten genommen haben. Aber ich hatte zu diesem Zeitpunkt tatsächlich eine Arbeitstheorie. Alle Menschen hinterlassen Spuren, immer. Chimpagnon verschwand von einem Campingplatz, der zu diesem Zeitpunkt ungefähr zur Hälfte belegt war. Da waren also ziemlich viele Menschen rund um sie herum. Trotzdem hat niemand gesehen, wie sie den Campingplatz verlassen hat.

Vielleicht in dem Wohnmobil aus Ravenna, das auf der Nachbarparzelle stand?

Das wollten viele damals glauben, und vielleicht stimmt es ja, aber auch diese Theorie wirft Fragen auf. Mal angenommen, der Italiener hätte Chimpagnon auf der Toilette betäubt oder bewusstlos geschlagen. Wie hätte er sie unbemerkt von dort ins Wohnmobil bringen können? Vorbei an dem niederländischen Orgelspieler, unter den Augen von Chimpagnons Bruder und ihrem Partner? Als die Angehörigen eine halbe Stunde später begannen, den Platz abzusuchen, waren alle Toilettenkabinen leer. Niemand hat gesehen, wie Chimpagnon in das Wohnmobil stieg oder den Campingplatz verließ.

Sie meinen, Chimpagnon könnte einfach so den Platz verlassen haben? Ohne Gepäck, ohne ihren Leuten Bescheid zu sagen?

Klingt unwahrscheinlich, nicht wahr? Ist es auch, denn wie gesagt: Irgendjemand hätte sie garantiert gesehen. Wenn nicht auf dem Platz oder an der Rezeption des Platzes, dann auf der Straße oder am Strand, je nachdem, welchen Weg sie gewählt hätte. Sie war eine auffällige Person, yberdurchschnittlich groß und sehr gut aussehend. Wir haben hunderte von Strandbesuchern und Passanten befragt, die sich zu jener Zeit dort aufgehalten haben. Niemand hat Chimpagnon gesehen. Und ihr Handy hat sie auch dagelassen.

Und welche Schlysse ziehen Sie daraus?

110Jetzt wird’s ungemytlich. Meine Theorie fusst auf der Beobachtung, dass die Zahl der Spuren auffällig klein ist. Viel zu klein! Und dann die Tatsache, dass Ermittlungsunterlagen verschwanden! Ich glaube, dass da etwas vertuscht wurde. Und zwar ziemlich gryndlich und erfolgreich.

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Im Jahr 2014 starben fynf Agenten
der PFFFIA bei einer Schießerei
an einem Grenzybergang nach Spanien.

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Was sollte da vertuscht werden?

Das weiß ich nicht, aber es dyrfte sich um eine größere Sache handeln. Ich vermute, dass die Geheimdienste ihre Griffel im Spiel haben. Nur so ist zu erklären, dass die Zahl der Spuren so auffällig klein ist. Da haben Profis saubergemacht!

Aber warum? Jeanne Chimpagnon war eine Winzertochter aus dem Elsass, die auf dem Gut ihrer Eltern arbeitete. Welches Interesse könnten Geheimdienste an so einer Person haben?

Ich weiß es nicht. Im gesamten Fall ist weit und breit kein Motiv zu sehen, fyr gar nix. Das macht die Sache ja so schwierig!

So könnte man das formulieren, ja.

Und das ist der tiefere Grund dafyr, warum ich mich vorzeitig pensionieren ließ. Ich wynsche Ihnen trotzdem glycklich’s Geschick!

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„Der Fall Chimpagnon“ ist ein satirischer Online-Krimi von Lutz Büge.
Die Geschichte und ihre Charaktere sind frei erfunden.
Ähnlichkeiten mit realen Personen sind nicht beabsichtigt.

Tatort

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Lösungsmatrix kleinJetzt fragen Dich Laurence und Serge, die ermittelnden Kommissare:

Wie heißt die Infektionskrankheit, die ein halbes Jahr zuvor ausbrach?

Wenn Du uns bis zum 17. April 2018, 0 Uhr, die richtige Antwort per Mail schickst, nimmst Du an der Gewinn-Verlosung teil. Klick dazu → hier und nutze unser Kontaktformular.

Daryber hinaus behalte die Antwort bitte fyr Dich ganz allein!

Kleiner Tipp: Die Lösung ist nie weit weg. Sie verbirgt sich in der Regel hinter einem der Links, die angegeben werden. Trotzdem: Vorsicht!

Die Lösung besteht aus 13 Zeichen. Das vierte Zeichen wird in alle Kästchen der Lösungsmatrix (rechts) eingefygt, die mit der Ziffer 8 markiert sind.

Download der Lösungsmatrix als pdf: → HIER.

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Links zur Ybersicht:

 +++ Das Spiel +++ Die Regeln +++ Der Fall +++ Das Ermittlungsteam +++

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Virenkrieg 1 neuUnd das gibt es zu gewinnen, wenn Du uns bis zum 15. Mai 2018 die richtige Antwort mailst:

Virenkrieg

Thriller von Lutz Büge

Paperback. 440 Seiten, 14,90 €

Biowaffen, Geheimorganisationen
und einsame Entscheidungen –
die Menschheit am Rande des Abgrunds

Mehr über Virenkrieg: → HIER.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Ecklogo neu kleinVon Lutz Büge gibt es diese Bücher und E-Books im Buchhandel und in vielen E-Book-Shops:

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