Drei Jahre Ybersinn-Verlag

Menschen kriegen Kinder, Autoren kriegen Romane. Das soll nun nicht heißen, dass Autoren keine Menschen wären. Aber ihre Romane sind jedenfalls keine Kinder. Nicht im biologischen Sinn. Man kann jedoch bildhaft sagen: Die Romane wachsen beim Schreiben heran und bereiten dabei ebenso Probleme wie schöne Momente. Und wenn ein Roman geschrieben ist, kommt irgendwann der Zeitpunkt, an dem der Autor ihn loslassen und in die Welt entlassen muss. Sieben Mal habe ich diesen Prozess in den vergangenen fünf Jahren durchlebt, und manches meiner Babys ist ziemlich böse geworden.

Dafür gab ich mein Bestes.

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Drei Jahre Ybersinn-Verlag

Von Verleger Thomas Vögele

Zu den schönen Momenten im Leben des Verlegers gehört der Augenblick, wenn unvermittelt der Spediteur vor der Tür steht und Paletten mit Büchern abladen will. Da hilft nach überwundener Sprachlosigkeit auch nicht der Hinweis, die Lieferung sei erst für den folgenden Tag angekündigt und überdies auch vereinbart, dass der Fahrer eine Stunde zuvor sein Kommen avisiere. Davon wisse er nichts, sagt der Fahrer und beginnt, die Paletten vom Fahrzeug zu wuchten.  Die stellt er dann auf den Gehweg vor die Tür, lässt sich die Lieferung quittieren und macht sich davon. Welch ein Glück, dass es wenigstens nicht regnet. Und welche Glücksgefühle, wenn man zum ersten Mal eines der Bücher in der Hand hat.

Dreimal hatten Autor und Verleger inzwischen dieses Gefühlskarussell, seit vor ziemlich genau drei Jahren der Ybersinn-Verlag gegründet wurde: Die Überraschung der vorzeitigen Anlieferung und das Hochgefühl, die Bücher ins zweite Obergeschoss des Verlags hinaufzutragen. Von wo sie natürlich so schnell wie möglich wieder nach unten und aus dem Haus befördert werden sollen.  Ein Gerenne, das wir gerne auf uns nehmen – es könnte auch gerne bisschen mehr Gerenne sein.

1000 mal „Virenkrieg“
im Juli 2015.
Bild: Lutz Büge

Einen Vertrieb aufzubauen, gestaltet sich ein wenig schwierig, wenn dies als „Learning-by-doing“ geschieht. Aber man lernt ja. Zum Beispiel, dass die telefonische Auskunft bei diversen Grossisten, der Verlag sei zu klein für ihre Geschäfte, nicht stimmt. Beim persönlichen Treffen auf der Frankfurter Buchmesse  sieht das plötzlich ganz anders aus: Libri nimmt uns auf. Diese Zusammenarbeit klappt hervorragend im Vergleich zu manch anderer.

Der beste Weg, Bücher zum Leser zu bringen, ist immer noch die Buchhandlung. Bücher müssen dort auf den Tischen liegen, dass die Kunden sie in die Hand nehmen können, auf der Rückseite lesen, worum es geht – und sie dann, falls das Interesse geweckt ist, mitnehmen. Nur: Wie kommen Bücher auf Tische? Buchhändler haben eine gewisse Abwehrhaltung, wenn da plötzlich einer im Laden steht, der nichts kaufen, sondern etwas verkaufen will. Die einen mehr, die anderen weniger. Unsere Hausbuchhandlung in Offenbach, der Buchladen am Markt, gehört zu den Wohlwollenden. Die Tour durch andere Buchläden ist eine schwierige: Ja, danke, man sehe sich das mal an. Wann man den wiederkommen dürfe? Vier bis sechs Wochen. Ok. Vier bis sechs Wochen später: Sorry, man sei noch nicht dazu gekommen, der Kollege, dessen Sujet diese Art Bücher sei, ist im Urlaub, krank, unauffindbar … Ok, letzteres ist erfunden. Das wiederholt sich. Um es kurz zu machen: Diesen Durchbruch haben wir noch nicht geschafft. Aber wir werden weiter daran arbeiten.

Zu den positiven Erlebnissen gehören die Begegnungen mit Buch-Enthusiasten. Die Ybersinn-Fans, die es kaum erwarten können, bis  der nächste Büge herauskommt. Oder der Verein Pro Lesen in Frankfurt-Sachsenhausen, bei dem wir im Mai 2017 die Buchvorstellung von Skylla – Virenkrieg II veranstaltet haben, oder ein Hotelier in der Pfalz, der eine Büge-Lesung ins Programm  seines Sommerfests nahm. Schließlich unsere Hausbäckerei Ködel, die Virenkrieg, Skylla und Die JFK-Akten quasi crossmedial vertrieb.

Wie der größte Buchhändler der Welt mit Kleinverlagen umgeht, wird am nächsten Donnerstag erzählt.

Ecklogo neu kleinRomane von Lutz Büge im Buchhandel und in E-Book-Shops:

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