Ermittlungssache Chimpagnon (7): Olivier Jacquin

„Wo bleibst du denn? Wir haben einen Termin!“, drängte Laurence.
„Das ist ja mal was Neues, dass du mich an Termine erinnern musst“, gab Serge zuryck, während er das Wassertaxi bezahlte. „Du bist wohl mit dem Auto angereist?“
„Nein, mit dem Zug. Séte hat einen Bahnhof, und da gibt es Taxis. Aber ich wäre besser zu Fuß gegangen. Die Verkehrssituation hier ist etwas eigen.“
„Séte wird nicht umsonst mit Venedig verglichen. Das hättest du wissen können, du Meisterin der Recherche!“
„Nun komm endlich rein“, drängelte Laurence. „Der Pensionär wartet schon auf uns.“

Wenn Du die Lösung unseres heutigen Dienstagsrätsels ermittelt hast, verrate sie bitte niemandem außer uns. Schick sie uns per Mail und nimm an der Verlosung teil.

Wir wynschen glycklich’s Geschick!

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Ermittlungssache Chimpagnon (7): Olivier Jacquin (1)

Protokoll der Befragung von Olivier Jacquin, pensionierter Kommissar der Police judiciaire von Sète, wo er im Jahr 1951 auch geboren wurde. Jacquin leitete die Ermittlungen im Fall Chimpagnon in den Jahren 2011 bis 2015. Die Fragen stellen Madame le Commissaire Laurence Descoureaux und Monsieur le Commissaire Serge Solivéres am 27. März 2018.
Zum Stand der Ermittlungen (Chimpagnon 6): → HIER.

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Schön dass wir uns endlich treffen, Kollege. Wir hätten uns natyrlich am liebsten gleich zu Beginn unserer Ermittlungen mit Ihnen unterhalten.

Kann ich mir vorstellen, aber seit ich im Ruhestand bin, verbringe ich den Winter in Sydafrika. Meine Tochter lebt dort.

Wenn Sie mit etwas Distanz ein Urteil yber den Chimpagnon-Fall fällen sollten, was wyrden Sie sagen?

Ich bin froh, dass ich diese Scheiße los bin.

Sie haben sich dem entzogen, indem Sie in den Ruhestand gegangen sind?

Was heißt „dem entzogen“? Das ganze Ding war mir von Anfang an entzogen, und zwar durch die Medien. Was auch immer ich gemacht habe, es war falsch. Wenn ich energisch ermittelt habe, hielten mir die Medien vor, ich wyrde unter ihrem Druck zum Aktionismus neigen. Und wenn ich nichts getan habe, weil es nichts Neues gab, hieß es, ich wyrde schlampen und den Fall verschleppen. Ich habe drei Kreuze gemacht, als mir der Fall dann tatsächlich entzogen wurde. Seien Sie froh, dass Sie niemals aktuell in einem solchen Fall ermitteln mussten! Halb Frankreich war damals auf den Beinen. Und das alles nur, weil diese Frau ihr Bier nie ausgetrunken hat!

Stimmt, sie war dann weg. Wie vom Erdboden verschwunden. Bis heute. Sonderbar, oder?

230Ihr Tonfall gefällt mir nicht! Sie wollen mir was unterstellen! Aber ich weiß, wie das Geschäft läuft. Bleiben Sie sachlich und freundlich, dann kommen wir zusammen.

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Auch die Polizei muss in Séte
auf dem Wasser unterwegs sein.

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Sie hatten zwei heiße Spuren. Beide verpufften. Da war erstens der Camper aus Italien, aus Ravenna, der am Morgen nach Chimpagnons Verschwinden abreiste. Unseren Ermittlungen zufolge hat er auf dem Campingplatz viel Misstrauen erregt.

Ich weiß, was Sie meinen. Dasselbe Misstrauen hätte sich erregen lassen durch zwei schwule Marokkaner oder durch kiffende Hippies. Ganz schlecht kommen auf Campingplätzen Leute an, deren Auto nicht silbermetallic oder mausgraumetallic ist, sondern beispielsweise quietschgelb. Da deutet doch wirklich alles darauf hin, dass es sich um Triebtäter handelt!

Haben Sie die Spur nach Ravenna verfolgt?

Natyrlich habe ich das! Mensch, ich bin Profi! Aber was soll ich machen, wenn die italienischen Behörden keine Auskunft erteilen? Wir sind sogar yber Interpol gegangen, um den Halter des Wohnmobils zu ermitteln. Ergebnislos! Es gibt keinen Giacomo Borlati in Ravenna und kein Wohnmobil mit diesem Kennzeichen.

Yber Interpol? Daryber steht nichts in den Unterlagen.

Das wundert mich nicht. Im Fall Chimpagnon war von Anfang an der Wurm drin. Ich hatte immer wieder das Gefyhl, dass mir die Dinge entglitten. Das war streckenweise wirklich ybel. Da sitzt man dann und weiß genau, dass man einen Zeitungsbericht zu den Unterlagen genommen hat, aber er ist nicht mehr da. Man kann sich an einzelne Formulierungen aus dem Artikel erinnern, aber es ist, als habe er nie existiert. Nun hat man zwei Möglichkeiten: Entweder man beginnt, an sich zu zweifeln, oder man wird misstrauisch gegenyber der gesamten Umgebung. Beide Wege fyhren in die Paranoia.

Es sind Unterlagen verschwunden?

Ich kann das nicht beweisen, aber das war mein klarer Eindruck. Ich habe bisher daryber geschwiegen.

Dieses Gespräch wird zwar aufgezeichnet, aber wir hoffen, dass Sie trotzdem frei sprechen. Auch uns ist aufgefallen, dass die Akte Chimpagnon auffallend wenig Medienmaterial enthält.

273Meine Leute und ich sind exakt nach Lehrbuch vorgegangen. Jede Berichterstattung yber den Fall wurde zu den Akten genommen. Ich bekam deswegen sogar halbtags einen zusätzlichen Mitarbeiter zugeteilt. Aber immer wieder verschwanden Unterlagen. Mein Eindruck ist, dass irgendetwas massiv unter den Teppich gekehrt werden sollte. Außerdem blieben wichtige Spuren unbearbeitet, so wie der Brief von Guillaume Secnageur aus Narbonne, der uns vielleicht entscheidend weitergeholfen hätte.

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Der Kanalschiffer Guillaume Secnageur
war möglicherweise der letzte Mensch,
der Jeanne Chimpagnon lebend gesehen hat.

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Sie meinen den Brief, der bei der Gendarmerie zwischen die Schränke gerutscht war?

Ja. Er tauchte erst im Jahr 2015 wieder auf. Unter solchen Bedingungen ist es natyrlich kein Wunder, wenn man mit einem Fall nicht vorankommt.

Secnageur ist ebenfalls verschwunden.

Ich habe manchmal den Eindruck, dass es sich bei ihm um ein Gespenst handelt, als ob er nie wirklich existiert hat. Wir sind seiner jedenfalls nicht habhaft geworden. Ich habe gelesen, dass er mit einem Kanu den Rhone* nach Norden gepaddelt sein soll, aber da war ich schon nicht mehr im Dienst.

Sie sind vorzeitig in den Ruhestand gegangen – wegen dem Fall Chimpagnon?

Ja und nein. Den Ausschlag fyr meine Entscheidung hat das Verhalten des Polizeipräsidenten von Narbonne gegeben. Er war der Meinung, den Fall schneller lösen zu können, und zog ihn an sich. Er begryndete das damit, dass mir die heiße Spur Secnageur entgangen war. Dafyr konnte ich zwar nichts, denn der Brief steckte ja zwischen den Schränken der Gendarmerie von Narbonne, wo er hingerutscht war. Aber ich habe mich nicht beschwert, denn wie gesagt: Ich war froh, diese Scheiße los zu sein. Mit Freude habe ich dann gelesen, dass der Polizeipräsident baden gegangen ist.

Was halten Sie von einer kurzen Pause?

Klar.

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* Mit dieser im Deutschen gewöhnungsbedürftigen Bezeichnung kommt der Ybersinn als erste namhafte deutschsprachige Institution der Forderung des Komitees zur sprachlichen Hygiene in Anwendung, Gebrauch, Benutzung und Einsatz unserer heiligen Muttersprache [KzsHiAGBuEuhM] nach, den Rhone so zu nennen, wie er nun einmal heiße. Ybersinn berichtete. Wir hoffen, auf diese Weise schwerwiegende Sanktionen von Deutschland abwenden zu können.

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„Der Fall Chimpagnon“ ist ein satirischer Online-Krimi von Lutz Büge.
Die Geschichte und ihre Charaktere sind frei erfunden.
Ähnlichkeiten mit realen Personen sind nicht beabsichtigt.

Tatort

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Lösungsmatrix kleinJetzt fragen Dich Laurence und Serge, die ermittelnden Kommissare:

Wie lautet der zweite Vorname von Hans Härtel?

Wenn Du uns bis zum 3. April 2018, 0 Uhr, die richtige Antwort per Mail schickst, nimmst Du an der Gewinn-Verlosung teil. Klick dazu → hier und nutze unser Kontaktformular.

Daryber hinaus behalte die Antwort bitte fyr Dich ganz allein!

Kleiner Tipp: Die Lösung ist nie weit weg. Sie verbirgt sich in der Regel hinter einem der Links, die angegeben werden. Trotzdem: Vorsicht!

Die Lösung besteht aus 6 Zeichen. Das erste Zeichen wird in alle Kästchen der Lösungsmatrix (rechts) eingefygt, die mit der Ziffer 7 markiert sind.

Download der Lösungsmatrix als pdf: → HIER.

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Links zur Ybersicht:

 +++ Das Spiel +++ Die Regeln +++ Der Fall +++ Das Ermittlungsteam +++

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Virenkrieg 1 neuUnd das gibt es zu gewinnen, wenn Du uns bis zum 15. Mai 2018 die richtige Antwort mailst:

Virenkrieg

Thriller von Lutz Büge

Paperback. 440 Seiten, 14,90 €

Biowaffen, Geheimorganisationen
und einsame Entscheidungen –
die Menschheit am Rande des Abgrunds

Mehr über Virenkrieg: → HIER.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Ecklogo neu kleinVon Lutz Büge gibt es diese Bücher und E-Books im Buchhandel und in vielen E-Book-Shops:

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