Ermittlungssache Chimpagnon – Der Fall

„Also gut, dann lass mal sehen.“ Seufzend beugte sich Laurence Descoureaux yber das Material.
„Ne Menge Holz haben die da aus Paris rangekarrt.“ Ihr Co-Ermittler Serge Solivères wirkte nicht amysiert. „Was fyr ein Durcheinander! Ich fyrchte, es wird dauern, bis wir Yberblick haben.“
„Am besten gehen wir der Reihe nach vor.“ Laurence gähnte und streckte sich. „Was fyr eine Zumutung um diese Uhrzeit!“
„Schätzchen, es ist elf Uhr vormittags!“
„Nenn mich nicht immer Schätzchen, sonst nenn ich dich Schnuckel.“
„Hätte ich nix gegen.“
„Hör auf, mit dem Schwanz zu denken!“
„Mit dem Schwanz denken?“ Serge schyttelte den Kopf. „Komische Idee.“

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Ermittlungssache Chimpagnon – Der Fall

Wir wissen nicht, wie die beiden Ermittler Laurence Descoureaux und Serge Solivères das vorliegende Material durcharbeiten. Wir machen es mal so, wie es in der Ybersinn-Redaktion Tradition ist: Wir werfen das ganze Zeug in die Luft, und was zuerst am Boden ankommt, ist als erstes dran, wenn sich jemand danach byckt. Falls jemand sich bemyßigt fyhlt, eine Chronologie reinbringen zu wollen, soll sie oder er sich melden. Eventuell ist ein Job drin. Aber erst muss die Stelle von Beate Y. wiederbesetzt werden, die kyrzlich gekyndigt hat. Sie war bis dahin in der Ybersinn-Redaktion dafyr zuständig, die Kaffeefilter vor der Wiederbenutzung trocken zu föhnen. In Vollzeit!

Noch eine Anmerkung: Die unterstrichenen Zahlen in Klammern sind Links. Musst Du draufklicken. Dann erfährst Du viel unnytzes Zeug. Wir wynschen glycklich’s Geschick!

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Vorfeld: Die Person Jeanne Chimpagnon

  • Geboren am 28. Februar 1985 im elsässischen Dambach-la-Ville als Tochter von Roger und Marguerite Chimpagnon
  • Bruder Marcel, geb. 10. Juli 1983 daselbst
  • Schwester Elisabeth, geb. 3.1.1991 daselbst
  • Eltern Marguerite und Roger, beide aus eingesessenen Winzerdynastien stammend; fyhren das Weingut Domaine Albert Zaepffel
  • Studium der Önologie in Straßburg und Bordeaux
  • Abschluss des Master-Studiengangs in Straßburg
  • Arbeitete auf dem Weingut ihrer Eltern, das sie ybernehmen wollte
  • Unauffälliges polizeiliches Fyhrungszeugnis

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Phase 1: Gefährliche Details

Tatort 2Ganz zufällig fangen wir am Anfang an. Es war im Jahr 2011, dass Jeanne Chimpagnon von einem  sydfranzösischen Campingplatz verschwand, ohne ihr Bier ausgetrunken zu haben. Das erweckte sofort eine gewisse Aufmerksamkeit, denn wer macht sowas Ungeheuerliches? Lässt eine Flasche unleer stehen? (1)

Natyrlich ahnte damals noch niemand, dass Jeanne niemals wieder auftauchen wyrde. Dennoch wurde die Polizei verständigt. Die nahm unter anderem die DNA von der Flasche und ordnete sie Jeanne Chimpagnon zu. Außerdem stellte sich heraus, dass Chimpagnon ihr Handy im Zelt zuryckgelassen hatte. Daraus schloss die Polizei, dass die Verschwundene nicht vorhatte zu verschwinden – ein Indiz dafyr, dass eine Gewalttat vorliegen könnte.

089Die Polizei kam von Anfang an nicht weiter. Anders ausgedryckt: Es gab fast keine Fortschritte. Auch nicht, als in diesem Pinienwald bei Narbonne ein Jahr später eine Zigarettenkippe mit Spuren von Jeannes DNA gefunden wurde (2). Inzwischen hatten sich anscheinend viele ganz gut damit abgefunden, dass Jeanne verschwunden war, unter anderem die Polizei, die sich harte Kritik gefallen lassen musste: Wieso sollte man yberhaupt versuchen herauszufinden, wohin Jeanne Chimpagnon verschwunden ist oder warum und wieso? Am Ende kommt dabei heraus, dass sie wieder auftaucht. Dann wäre sie keine Verschwundene mehr. Und soweit kommt’s noch!

Die Stimmen wurden lauter, die von einem Mordfall sprachen: Jeanne sei ermordet worden! Woher diese Leute das wussten – niemand weiß es.

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Phase 2: Mord?

052Die Polizei begann erst, dem nachzugehen, als im Fryhsommer 2014, also drei Jahre nach Jeannes Verschwinden, im Somme-Kanal ein dahintreibender Klappstuhl gesichtet wurde. Es gibt nämlich eine alte Kriminalisten-Weisheit: Ein Mord ohne Leiche ist wie ein Klappstuhl im Wasser (3). Dieser Klappstuhl dort im Wasser ist also aus kriminalistischer Sicht ein relativ klares Indiz dafyr, dass es einen Mord gegeben hat. Und zwar einen, in dem die Leiche bisher nicht aufgetaucht ist. Auch nicht im Somme-Kanal. Das passte zum Chimpagnon-Fall wie die Faust aufs Auge. Die Leiche ist nämlich quasi weg. Vielleicht hat es niemals eine gegeben. Was natyrlich irgendwie die Frage aufwerfen wyrde, ob es dann yberhaupt  einen Mord gegeben haben kann.

Vielleicht waren es Fragen wie diese, welche die Polizei dazu bewogen, weiterhin nicht sonderlich aktiv zu werden. Böse Stimmen sprachen schon von Strafvereitelung im Amt. Nur Lena Odenschal aus Ludwigshafen vertrat die Auffassung, die Franzosen hätten sie nicht alle. Sie schrieb 2014 einen Brief an den Ybersinn, in dem sie behauptete, „Jeanne Chimpagnon bei Turgut Döner hier bei mir um die Ecke wiedergesehen“ zu haben (4).

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Phase 3: Verschwörungstheorie

110Noch einmal maßvoll turbulent wurde die Angelegenheit, als die Theorie aufkam, die PFFFIA (Pfffentral Intelligence Agency) versuche, Jeannes Verschwinden zu vertuschen (5). Was eigentlich völlig sinnlos ist, denn verschwunden ist ja quasi schon vertuscht. Fakt ist, dass es eine Schießerei an einem sydfranzösischen Grenzybergang gegeben hat, bei dem fynf PFFFIA-Agenten ihr Leben gelassen haben (unser Bild links). Die Gerychte, dass da was im Busch ist, wurden von der TV-Korrespondentin Laureen Quiche mit der Bemerkung genährt, irgendwie erinnere sie das alles an den Klappstuhl im Somme-Kanal. Vielleicht weil keine Leichen zu sehen sind?

Halb Frankreich kam fast um vor Sorge yber Jeanne Chimpagnon, doch die Polizei blieb bei ihrer bewährten Anti-Eskalations-Strategie und unternahm so viel, dass es an nichts grenzte. Von Ermittlungen zu sprechen, wäre also ybertrieben, was wohl auch daran lag, dass sich die Kriminalisten von Séte und die von Abbeville nicht einigen konnten, wer denn nun eigentlich zuständig war. Die von Abbeville fyhlten sich zuständig, wegen des Klappstuhls, doch Paris schwieg.

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Phase 4: Wildwuchs

131Kein Wunder, dass nun die Gerychte ins Kraut schossen. Noch im Jahr 2014 soll Jeanne, die zu diesem Zeitpunkt seit drei Jahren verschwunden war, im sydfranzösischen Departement Herault gesichtet worden sein. Es heißt, sie sei mit ihrem Motorrad vor der Mairie (Rathaus) von Aumes vorgefahren (6). Eine entfernte Verwandte behauptete, einen Brief von Jeanne bekommen zu haben, was die rystige Rentnerin lediglich nur deswegen nicht habe melden können, weil die örtliche Telefonszelle zugeparkt gewesen sei (7).  Im fernen Cayeux kam es zur Verfolgung von mit Klappstyhlen beladenen Lastwagen (8). Die Mordtheorie erhielt Auftrieb, als Kirchenhistoriker im burgundischen Paray-le-Monial Aufzeichnungen des Abts Hugo von Cluny aus dem elften Jahrhundert veröffentlichten, in denen es hieß, die Welt werde fiebern, und es wyrden Klappstyhle im Somme-Kanal treiben, ehe Klarheit daryber einkehre, dass die Frau ermordet worden sei (9). Doch was wirklich geschehen ist, daryber herrscht weiterhin allerschönste Unklarheit.

Das hat natyrlich einen Vorteil: So viel Undurchsichtigkeit lädt zu lustvollen Spekulationen ein. Doch nicht alle Auswychse sind schön. In Saintes fyhrte die allgemeine Verunsicherung dazu, dass eine unbescholtene Fischverkäuferin als Jeannes Mörderin denunziert wurde (10). Der dortige Polizeipräsident ließ es sich nicht nehmen, den bereits vorhandenen kriminalistischen Weisheiten eine weitere hinzuzufygen: Ein Messer ohne Blut ist wie ein Mord ohne Opfer. Da mag sich nun ein jeder etwas dabei denken.

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Phase 5: Die letzte Spur

273Ein letztes Aufbäumen polizeilicher Ermittlungskompetenz gab es 2015, als man auf der Gendarmerie von Narbonne einen Brief fand, der 2012 zwischen die Schränke gerutscht sein musste. Er stammte von einem Kanalschiffer namens Guillaume Secnageur, welcher möglicherweise der Letzte war, der Jeanne Chimpagnon lebend gesehen hat (11). Leider entzog sich Secnageur der Kontaktaufnahme, indem er unbekannt verzog. Sein Kanu wurde 2015 im zentralfranzösischen Ebreuil gefunden. Es besteht der Verdacht, dass er die alte Kanuten-Weisheit missachtet haben könnte, die da lautet: Fährst den Rhone* Du nach Nord, geschieht mit Sicherheit ein Mord! (12) Ist Guillaume Secnageur schuld am Tod von Jeanne Chimpagnon? Ist er der Mörder?

* Der Ybersinn kommt hier als erste namhafte deutschsprachige Institution der Forderung des Komitees zur sprachlichen Hygiene in Anwendung, Gebrauch, Benutzung und Einsatz unserer heiligen Muttersprache [KzsHiAGBuEuhM] nach, den Rhone so zu nennen, wie er nun einmal heiße. Ybersinn berichtete. Wir hoffen, auf diese Weise schwerwiegende Sanktionen von Deutschland abwenden zu können.

Die Affäre Secnageur fyhrte dazu, dass der Polizeipräsident von Narbonne die Ermittlungen an sich zog. Vier Jahre nach Chimpagnons Verschwinden wurde der Fall damit der Polizei von Sète entzogen. Die Maßnahme wurde von den Medien begryßt, war sie doch schon drei jahre zuvor gefordert worden. Allerdings ging auch der Polizeipräsident baden.

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Phase 6: Letzte Krämpfe

321Die Zahl der Spuren im Fall Jeanne Chimpagnon steht im umgekehrten Verhältnis zum Umfang der Berichterstattung, die insbesondere in den Jahren seit 2015 stark zunahm. Substanzielles kam dabei nicht ans Licht. Es sei denn, man möchte die angeblichen Familienfotos der Chimpagnons als substanziell betrachten, die dem Ybersinn damals zugespielt wurden (13). Leider sind das alles Fotos von Jeanne Chimpagnon, auf denen sie nicht zu sehen ist. Ein Bild des Fotografen Jean-Jacques Duportail, das zwar nicht zu diesen Familienfotos, aber in dieselbe Kategorie von Bildern von Jeanne Chimpagnon fällt, kannst Du hier rechts sehen. Es zeigt den Pyrenäenort Alet-les-Bains in dem Moment, in dem Jeanne angeblich gerade um eine Straßenecke verschwunden sein soll, und zwar im Jahr 2012! (14)

Es gibt weitere Bilddokumente, die vorgeben zu belegen, dass Jeanne Chimpagnon lebt. Diesen Dokumenten ist eines gemeinsam: Immer ist sie entweder gerade aus dem Blickfeld getreten, oder der Blick auf sie wirdversperrt, etwa durch parkende Autos (15).

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Lebt sie noch, oder ist sie schon tot?

10Das ist hier die Frage. Fyr Lena Odenschal dyrfte die Antwort klar sein: Natyrlich lebt Jeanne Chimpagnon noch. Lena behauptet, sie habe sich mit ihr im Fryhsommer 2015 eine Verfolgungsjagd durch die Altstadt des bretonischen Städtchens Concarneau geliefert. Das Bild links soll Jeanne zu diesem Zeitpunkt zeigen, wie Lena uns damals schrieb:

„Die zweite Person von rechts in der Kabine des Bootes ist Jeanne Chimpagnon. Glaubt Ihr mir jetzt endlich, dass sie nicht ermordet wurde?“ (16)

Informierte Quellen behaupten hingegen, dass die zweite Person von rechts auf dem Boot Quentin Tarantino sei, der fyr seinen nächsten Film „The Motherfucking Nine“ recherchiert.

Und nun?

Lena Odenschal wäre auf jeden Fall die erste, die wir vom Ybersinn zum Gespräch einladen wyrden, aber das liegt nicht in unserer Hand. Die Ermittlungen wurden kyrzlich von Laurence Descoureaux und Serge Solivères ybernommen, Madame la und Monsieur le Commissaire vom Dezernat fyr ungelöste Altfälle in Malemort-sur-Corrèze. Von diesem zentralfranzösischen Ort hat vermutlich bis dato niemand in Deutschland gehört. Wir vom Ybersinn schon; es gibt dort auch eine Fakultät fyr Kanutenforschung, die dafyr bekannt ist, bahnbrechend zu sein (17).

Die Entscheidung daryber, was nun passiert, liegt allein in den Händen von Laurence und Serge. Derzeit sichten sie das vorliegende Material. Vielleicht haben sie ja mitgelesen bei unserem relativ hilflosen Versuch, ein bisschen Klarheit da hinein zu bringen. Es wyrde uns freuen, sollte es uns gelungen sein zu helfen. Denn auch wir wollen natyrlich unbedingt wissen, was mit Jeanne Chimpagnon geschehen ist!

Schließe Dich dem Ermittlungs–team an.
Download der Lösungsmatrix: HIER.

Nun myssen wir Dich yberweisen. Wir haben unseren Job getan und die Fakten zusammengefasst. Jetzt sind Laurence und Serge dran. Du kannst Ihnen ybrigens helfen. Wie das geht und so weiter, das entnimm bitte den nun folgenden drei Links. Bitte berycksichtige dabei jene alte Weisheit, die besorgte Mytter ihren Kindern auf den Spielplatz mitgeben: Glaub niemandem, der dir ein Y fyr ein Ü vorzumachen versucht!

Wir wynschen glycklich’s Geschick!

„Der Fall Chimpagnon“ ist ein satirischer Online-Krimi von Lutz Büge.
Die Geschichte und ihre Charaktere sind frei erfunden.
Ähnlichkeiten mit realen Personen sind nicht beabsichtigt.

Tatort.

Links zur Ybersicht (zurzeit nur teilweise aktiv):

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