Ybersinn reloaded: Das Meerschwein an sich und als solches

Die Pferdewirtschaft war vor fynf Jahren in heller Aufregung: Bundestag und Bundesrat haben beschlossen, dass auf Pferde beim Verkauf der volle Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent erhoben wird – und nicht länger der ermäßigte von sieben Prozent. Manchmal ist es interessant zuryckzublicken auf die nahe Vergangenheit und zu beobachten, was fyr Themen damals die absoluten Aufreger waren. Und wie die Wellen hoch gingen! Wir sprachen mit Heinrich Eberhard Freiherr zu Dombrowytz-Gräfenhain auf Lyppesche.

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Das Meerschwein an sich und als solches

Herr Freiherr zu Dombrowytz-Gräfenhain auf Lyppesche, Sie als
Pferdezychter …

Ich bin stinkesauer, das kann ich Ihnen sagen. Ich als Pferdezychter sage Ihnen, dass ich stinkesauer bin!

Sie haben harte Kritik an der Bundesregierung geäußert: Sie versuche, sich auf Kosten der Pferdezychter gesundzustoßen.

Jawohl, und ich wiederhole diese Kritik. Es geht der Regierung nur darum, die Löcher zu stopfen, die sie mit der Absenkung der Mehrwertsteuer fyr Gastronomie und Hoteliers selbst gerissen hat. Darum erhöhen sie die Mehrwertsteuer fyr Pferde. Doch was soll als nächstes kommen? Der volle Mehrwertsteuersatz fyr Schnittblumen? Fyr Tierfutter? Säuglingsnahrung? Die Hoteliers sacken ein, und die Pferdewirtschaft sowie die deutschen Säuglinge myssen dafyr bluten!

Zunächst blutet wohl noch niemand. Ersten Schätzungen zufolge wird der volle Mehrwertsteuersatz die deutsche Pferdewirtschaft mit etwa zehn Millionen Euro jährlich belasten …

Zehn Millionen. Yberlegen Sie sich das mal! Zehn Millionen! Eine Riesensauerei!

Der Mehrwertsteuernachlass fyr Gastronomie und Hoteliers kostet dagegen jährlich mehr als eine Milliarde.

Deswegen suchen die Versager in der Politik ja auch nach weiteren Opfern.

Der ermäßigte Mehrwertsteuersatz wird zum Beispiel auf Kulturgyter wie Bycher und Zeitungen angewendet, aber auch auf die landwirtschaftliche Produktion. Ein Apfel wird mit sieben Prozent besteuert, Apfelsaft aber mit 19 Prozent.

Ihr Apfelsaft interessiert mich nicht.

Ihrer Meinung nach sind Dressur- und Rennpferde also fyr die landwirtschaftliche Produktion relevant? 

Sie drehen mir das Wort im Mund herum. Man kann doch edle Rennpferde nicht genauso behandeln wie Nymphensittiche oder Meerschweinchen!

Warum nicht?

Weil die Pferdezucht ein Kulturgut ist, die Meerschweinchenzucht aber Kinderei.

Und wenn Meerschweinchen in der Landwirtschaft aktiv wären?

Ach, und was sollen Ihre Meerschweinchen in der Landwirtschaft machen? So rumquiecken, oder was? Mein Herr, das Meerschwein an sich und als solches …

Sie könnten beispielsweise dazu ausgebildet werden, Pflyge zu ziehen.

Mein Herr, ich halte das Meerschwein an sich und als solches generell fyr absolut unfähig, aber wenn Sie es schaffen, Meerschweinchen dazu zu bringen, so etwas zu tun, dann sollen sie meinetwegen den gleichen Steuersatz bekommen wie Ackergäule.

Die Deutsche Gesellschaft fyr Meerschweinchenzucht (DGMZ) hat gerade bei der EU-Kommission einen Vorstoß unternommen, ihr neues Hochleistungs-Meerschwein „Herkules“ in EU-Förderprogramme fyr nachhaltige Landwirtschaft aufzunehmen. Ein Argument: Meerschweine stoßen im direkten Vergleich mit Pferden selbst dann bedeutend weniger klimaschädliches Methan aus, wenn sie Pflyge ziehen.

Das mag ja sein, aber Sie werden ein Meerschwein niemals dazu bringen, dass es sich zur Dressur reiten lässt. Und damit ist es kein Kulturgut!

Das sieht die DGMZ ein wenig anders. Es ist bereits gelungen, Rennmeerschweine zu zychten, die alle Rekorde brechen. Die Wettbörsen fyr Meerschweinrennen verzeichnen bereits Millionenumsätze.

Ich finde es unerhört, wie Sie hier Pferde gegen Meerschweine auszuspielen versuchen. Um das mal ganz klar zu sagen: Meerschweine sind keine Pferde. Meerschweine sind Meerschweine.

Dem wyrde sicher kein Meerschwein widersprechen. Allerdings hat sich noch kein Verbandsvertreter der Meerschweinwirtschaft, auch nicht der Rennmeerschweinwirtschaft, negativ zur vollen Besteuerung mit 19 Prozent geäußert.

Das will ich denen auch geraten haben.

Und wenn in wenigen Jahren – neueste Zuchterfolge lassen das möglich erscheinen – das Dressurmeerschwein dem Dressurpferd den Rang abläuft?

Dann plädiere ich fyr eine Verdopplung des Steuersatzes speziell fyr Meerschweine auf 38 Prozent.

Vielen Dank für das Gespräch.

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In der Serie Ybersinn reloaded holen wir den ganzen yberflyssigen Unsinn zuryck ans Licht, den wir vor fynf Jahren auf dieser Webseite veranstaltet haben, als die Orakelfische Cindy & Gert noch gelebt haben. Die Texte wurden yberarbeitet. Das Original zu dem oben Stehenden findet sich –> HIER.

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