Wie dicht waren wir 2014/15 an einer Ebola-Pandemie?

Virenkrieg Cover 001Was ist eigentlich aus Ebola geworden? Im Dezember 2013 tauchte der erste Fall einer Infektion mit dem tödlichen Virus im westafrikanischen Guinea auf. 2014 und 2015 beschäftigte das Virus die Medien und die Weltgemeinschaft. Pflegepersonal kam infiziert aus Westafrika zurück, doch das Virus hat es nicht geschafft, sich in den westlichen Staaten auch nur annähernd so zu verbreiten wie in Westafrika. 

Ebola ist auch Thema im Thriller Virenkrieg. Mehr: –> HIER.

Ich beschäftige mich seit längerem mit den Gefahren, die von Viren wie Ebola ausgehen. Meine Recherchen fließen auch in meine Romane des Virenkrieg-Zyklus‘ ein. Hier ein Update zur Thematik. Die Seuche brach im März 2014 aus, ist zurzeit unter Kontrolle und offiziell abgesagt, aber nicht besiegt. Die Weltgemeinschaft ist gut beraten, Ebola im Auge zu behalten. Und: Es gibt Aussicht auf Medikamente!  

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Wie dicht waren wir 2014/15 an einer Ebola-Pandemie?

In den Jahren 2014 und 2015 grassierte in Westafrika das Ebola-Virus. Besonders betroffen waren die Länder Liberia, Sierra Leone und Guinea, aber es gab auch in Nigeria Opfer, in Mali und dem Senegal. Über infiziertes Pflegepersonal gelangte das tödliche Virus in Einzelfällen in die USA, nach Spanien und nach Großbritannien. Mehr als 11.000 Todesopfer hat Ebola in den drei Kernländern jener Epidemie gefordert, gut 28.000 Infektionsfälle wurden gemeldet oder vermutet. Dies sind offizielle Zahlen. Wer die Zustände in jenen Ländern ein wenig einschätzen kann — insbesondere die in Liberia, das unter den Folgen eines langen Bürgerkriegs litt –, der wird sich denken können, dass es eine hohe Dunkelziffer geben muss.

004 2011Es war das erste Mal, dass Ebola so massiv auftrat und solch weite Verbreitung erfuhr. Der Grund dafür ist nach meiner Einschätzung: Die Variante des Virus, die sich damals verbreitete, war weniger gefährlich als frühere Varianten. Das klingt im ersten Moment unlogisch. Wir sind gewohnt, Viren  nach der Gefahr zu beurteilen, die für uns von ihnen ausgeht. Doch Viren, die schnell und häufig töten, stehen ihrer eigenen Vermehrung und Ausbreitung im Weg. Viren hingegen, die es langsamer angehen lassen, können sich potenziell weiter verbreiten. Frühere Ebola-Varianten brachten es auf eine Sterberate ihrer Opfer von bis zu 90 Prozent. Das ist einer der Gründe dafür, dass solche Ausbrüche lokal begrenzt blieben: Sie erstickten an sich selbst. Zudem traten sie häufig in abgelegenen Dörfern auf. Die Variante hingegen, die 2014 in Westafrika wütete, brachte es hinsichtlich der Letalitätsrate dagegen „nur“ auf etwa 70 Prozent. Zudem betrug die Inkubationszeit 21 Tage. Das versetzte das Virus in die Lage, sich über die gesamte Region auszubreiten.

Dass daraus keine globale Epidemie, also eine Pandemie wurde, liegt meines Erachtens vor allem an zwei Faktoren:

  • Die betroffenen Staaten sind in der globalisierten Welt schlecht vernetzt, so dass das Virus kaum „Ausreisemöglichkeiten“ hatte, z.B. über Geschäftsreisende, die es schnell in der Welt hätten verbreiten können.
  • Das Ebola-Virus hat ein Defizit, das sein Verbreitungspotenzial einschränkt: Es ist nur über Schmierinfektion übertragbar, also über direkten Körperkontakt zu einem Infizierten. Durch die Luft überträgt es sich (bisher) nicht.

Da hat die Welt also noch mal Glück gehabt. Es hätte auch anders kommen können, denn die Weltgemeinschaft, namentlich die Weltgesundheitsorganisation WHO, hat damals nur sehr zögerlich reagiert. Das haben die Verantwortlichen offenbar inzwischen selbst erkannt. In einem anderen, aktuelleren Seuchenfall haben sie nun deutlich schneller und schärfer reagiert. Aber:

Zika ist nicht Ebola

Kürzlich hat, ausgehend von Brasilien, das Zika-Virus für Schlagzeilen gesorgt. Die WHO gab zügig Alarm — und muss sich nun den gegenteiligen Vorwurf anhören: Aktionismus. Denn Zika ist kein tödlicher Erreger und insofern nicht im entferntesten mit Ebola zu vergleichen. Das Virus steht allerdings in dem schlimmen Verdacht, Mikrozephalie auszulösen: Neugeborene, deren Mütter mutmaßlich Zika hatten, kommen mit deformierten, verkleinerten Schädeln und Beeinträchtigungen des Gehirns zur Welt. Es ist allerdings noch nicht bewiesen, dass dafür das Zika-Virus verantwortlich ist, auch wenn das Zusammentreffen der Epidemie mit einer Häufung von Mikrozephalie-Fällen diesen Zusammenhang nahezulegen scheint. Der Verdacht reicht natürlich aus, um zur Vorsicht zu rufen, aber die hektischen Aktionen gegen die Überträgermücke, die in Brasilien gestartet wurden, sind wohl doch eher der Tatsache zu verdanken, dass Brasilien in diesem Jahr die Olympischen Sommerspiele ausrichtet — ein Mega-Ereignis, das zehntausende von Menschen in das Land ziehen wird. Dann wird dort allerdings Winter sein — und damit keine Mückensaison.

Das Zika-Virus holt man sich über einen Mückenstich oder über Geschlechtsverkehr mit Infizierten. Das heißt: Sein Verbreitungspotenzial ist ebenfalls eingeschränkt. Zika ist seit fast 70 Jahren bekannt und trotzdem kaum erforscht, weil es — den Mikrozephalie-Verdacht mal rausgenommen — nur ein Infektiönchen auslöst. In achtzig Prozent der vermuteten Fälle verläuft die Infektion gar unbemerkt. Es gibt keine dokumentierten Todesfälle, die erwiesenermaßen durch Zika ausgelöst worden wären. Die gegenwärtige Hysterie ist also unbegründet. Niemand wird am Zika-Virus sterben, auch wenn es sich weit verbreiten sollte. Da ist das Dengue-Virus, das von derselben Überträgermücke verbreitet wird, schon ein ganz anderer Kandidat: Es erreicht eine Sterberate von bis zu 30 Prozent, besonders anfällig sind Kleinkinder. Zusammen mit dem Tigermoskito ist Dengue seit 2010 mehrfach in Südfrankreich aufgetaucht, wobei es aber glücklicherweise nicht zu schweren Krankheitsverläufen kam.

Die große Furcht der Forscher

SARS VerbreitungMöglicherweise sind wir im Fall der Ebola-Epidemie 2014 und 2015 nur knapp an einer Pandemie vorbeigeschliddert. Dies ist die große Furcht der Forscher und der Epidemiologen: Eines Tages könnte ein tödliches Virus auftauchen, das sich mit den modernen Verkehrsströmen im Handumdrehen auf der ganzen Welt ausbreitet. So etwas ist schon geschehen: SARS, das Schwere Akute Respiratorische Syndrom, erreichte von China und Hongkong aus in den Jahren 2002 und 2003 Kanada, die USA, Südafrika und Australien, China und Russland. (Hier weiter zu meinem Artikel „Globale Seuchen können nicht verhindert werden“ vom Dezember 2013.) Es gab weltweit mehr als 1000 Todesfälle, obwohl das Virus „nur“ eine Sterberate von sechs bis 15 Prozent hat (abhängig vom Alter; diese Zahlen beziehen sich auf die Altersgruppen von 25 bis 64 Jahren, Quellen: Gesundheitsamt und Robert-Koch-Institut). Auffällig an SARS war, das ein einzelner Infizierter, ein Mann namens Liu Jianlun, nachweislich für die Infektion von 4000 Menschen verantwortlich ist. Man nennt solche Fälle „superspreader“. Hochgradig infektiös, hat dieser Mann unwissentlich SARS-Viren in einem Hotel in Hongkong verteilt und zahlreiche Menschen angesteckt. Die trugen es dann mit den Verkehrsströmen der Geschäftsreisenden rund um die Welt. Liu Jianlun starb an den Folgen der Infektion. Ironie der Geschichte: Liu war Arzt.

SARS hatte verglichen mit Ebola einen Verbreitungsvorteil: Es konnte auch per Tröpfcheninfektion übertragen werden, also über die Luft. Die anderen Übertragungswege (Schmierinfektion) kamen noch hinzu. Dass SARS damals nicht zu der großen Pandemie führte, die von den Forschern befürchtet wird, hat vor allem damit zu tun, dass die Mediziner weltweit schnell reagierten, nachdem sie gewarnt waren. Recht bald war erkannt, dass sich bei einer SARS-Infektion zunächst das Krankheitsbild einer atypischen Lungenentzündung zeigt. Dabei bleibt das Fieber meist unter 39 Grad, und auch die anderen Krankheitssymptome wie Husten, Schüttelfrost, Herzrasen fallen milder aus als bei einer echten Lungenentzündung. Nur darum konnte Liu Jianlun überhaupt in das Hotel zu einer Hochzeit gehen, obwohl er krank war: Er hatte seine Infektion offenbar als nicht sonderlich gefährlich eingestuft. Ein Beispiel dafür, wie Krankheitserreger Verbreitungsvorteile gewinnen, wenn sie nicht schnell töten.

Noch zu jung für die Welt?

Ebola 005Vermutlich hat das Ebola-Virus seine Ausbreitung in Westafrika 2014/15 vor allem der mangelnden Informiertheit der Menschen zu verdanken. Faktoren wie etwa das nur rudimentär vorhandene Gesundheitssystem in Staaten wie Liberia begünstigten es zusätzlich. Dennoch kann man nicht einfach behaupten, dass es sich in entwickelten Staaten wie den USA, Spanien und Großbritannien oder auch in Deutschland nicht ebenfalls hätte ausbreiten können. Diese Länder waren damals vorgewarnt. Jene Ebola-Fälle, die über zurückkehrende Helfer eingeschleppt wurden, wurden schnell erkannt, so dass eine Ausbreitung des Virus verhindert werden konnte. Doch was, wenn das Virus unerkannt einreist, etwa mit einem Geschäftsreisenden, der keine Ahnung davon hat, dass er infiziert ist, und der dann trotz erster Krankheitsanzeichen sein normales Leben zu leben versucht wie der Arzt Liu Jianlun, der lediglich zu einer Hochzeit ging?

Einen Ebola-„Superspreader“ wie im Fall SARS werden wir gewiss so lange nicht erleben, wie Ebola nur über Schmierinfektion, also über direkten Körperkontakt, übertragen werden kann. Aber ich fürchte, dass im Fall Ebola das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Das Virus hat sich als erstaunlich variabel erwiesen. Allein während der Epidemie in Westafrika wurden hunderte von Mutationen nachgewiesen. Das bedeutet, dass dort neue Varianten entstanden sind. Einen Ebola-Ausbruch wie 2014, der drei Staaten über die Grenzen ihrer Belastbarkeit hinaus führt, hätte man davor kaum für möglich gehalten. Und dennoch ist es geschehen.

Die Welt ist gewarnt. 2014/15 konnte Ebola sich in Westafrika weit verbreiten. Während der Epidemie hat das Virus sich unzählige Mal vermehrt. Jede einzelne Vermehrung barg die Gefahr einer Mutation, durch die das Virus noch tückischer werden kann. Vielleicht war die Variante von 2014 zu jung für die Welt, doch es ist nicht auszuschließen, dass wir es künftig mit Ebola-Varianten zu tun bekommen, die schwerer einzudämmen sind.

Mittel gegen Ebola

Daher wird mit Hochdruck an Medikamenten gegen Ebola gearbeitet. Einer der möglichen Wege führt über eine Antikörper-Therapie. Wer eine Ebola-Infektion überlebt hat, ist für den Rest seines Lebens immun gegen das Virus, weil sein Immunsystem gelernt hat, das Virus abzuwehren. Das geschieht mittels Antikörpern, wie sie beispielsweise im schweizerischen Bellinzona isoliert und getestet werden konnten. Ein Forscherteam an der Università della Svizzera Italiana hat dazu nach einem Bericht von N24 Antikörper aus dem Blut von zwei Menschen gewonnen, die 1995 eine Ebola-Infektion im Kongo überlebt hatten. Diese Antikörper wurden an Rhesusaffen getestet, die mit Ebola infiziert waren und die daraufhin überlebten. An einer Therapie für den Menschen wird gearbeitet.

Der andere Weg ist die Entwicklung eines Impfstoffs, aber die scheint sich schwieriger zu gestalten als ursprünglich gedacht. Eigentlich sollte bereits 2015 ein Impfstoff zur Verfügung stehen. Das ist nicht geglückt. Nach einer Meldung von „Russia Today“ soll es in Russland gelungen sein, einen Impfstoff herzustellen, der ab Herbst 2016 unter Federführung des Louis-Pasteur-Instituts Lyon in Westfafrika eingesetzt werden soll. Außerdem hat die Impfallianz Gavi (eine public private partnership, PPP, in Deutschland ÖPP) zusammen mit der US-Pharmafirma MSD Sharp & Dohme auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos bekannt gegeben, dass MSD 300.000 Dosen eines experimentellen Impfstoffes einlagern wird, damit sie im Krisenfall von der WHO geordert werden können. Das berichtete die Süddeutsche Zeitung. Es gibt eine Feldstudie aus Guinea, wo der Impfstoff eingesetzt wurde. Angeblich schützt er mit einer Sicherheit von 75 bis 100 Prozent. Doch der Impfstoff ist bisher in den USA nicht zugelassen. Dazu muss er weitere Studien und klinische Tests durchlaufen, was ein aufwendiger Prozess ist.

Der Deal zwischen Gavi und MDS soll dafür sorgen, dass weiterhin an Impfstoffen geforscht wird. Ohne solche finanzielle Anreize — der Vertrag hat ein Volumen von fünf Millionen US-Dollar — würde wahrscheinlich wenig passieren in Sachen Ebola-Impfstoff, denn die Pharma-Industrie sieht Ebola offensichtlich als rein afrikanisches Problem. Und das bedeutet, dass sich mit Medikamenten gegen Ebola kein Geld verdienen lässt. Für die bisher aufgetretenen Ebola-Varianten mag das stimmen: Ebola profitierte in seiner Verbreitung ganz offensichtlich von der Uninformiertheit der Menschen und von den schlechten Gesundheitssystemen in den betroffenen Ländern. Außerdem ist es (bisher) auf bestimmte Fledertiere als Zwischenwirte angewiesen, die nicht weltweit vorkommen.

Und doch gilt: Ebola ist eines der gefährlichsten Viren der Welt. Wir sollten es nicht unterschätzen. Ein Beispiel: Am 14. Januar 2016 hat Liberia die Ebola-Epidemie für beendet erklärt. Liberia war zuletzt betroffen gewesen, damit galt nun also Westafrika als frei von Ebola. Doch am Tag darauf wurde in Sierra Leone ein neuer Ebola-Fall gemeldet. Die betroffene Studentin, 22 Jahre alt, starb kurz danach.

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Virenkrieg Cover 001Neu: Virenkrieg I.

Thriller von Lutz Büge (Printausgabe)

„Verehrte Herren, lassen Sie mich nun zum Punkt kommen. Welche Kriterien zeichnen ein echtes Killervirus aus? Ich glaube, es sind vier:
Erstens: Hohes Ansteckungspotenzial. Es kann leicht übertragen werden. Unübertroffen ansteckend ist das Pocken-Virus, aber auch Influenza-Viren wie H5N1 können das gut.
Zweitens: Hohe Sterbequote mit dem Potenzial, selbst das beste Gesundheitssystem zum Zusammenbruch zu bringen. Unübertroffen: das Marburg-Virus mit bis zu 90 Prozent Toten.
Drittens: Mieses Image. Unser Killervirus löst Panik aus und lässt das gesellschaftliche Zusammenleben zum Erliegen kommen.
Viertens: Kein Gegenmittel. Es steht kein Impfstoff zur Verfügung und es kann in der Eile auch keiner hergestellt werden. Im Idealfall sollte es sich also um ein unbekanntes Virus handeln, das noch nicht erforscht werden konnte.
Und damit kommen wir zum Kern dieser Veranstaltung, sehr geehrte Herren, denn ich hätte hier etwas für Sie, hier in diesem kleinen, unscheinbaren Hochsicherheitsbehälter …“
Auszug aus den SCOUT-Protokollen, März 2017

Böse? Das war erst der Anfang. Mehr gibt es –> HIER.

Virenkrieg – Erstes Buch. Roman. Ybersinn-Verlag Offenbach. Paperback.
440 Seiten. 14,90 €. ISBN: 9783981738803.
Im Buchhandel oder direkt beim Ybersinn-Verlag –> HIER.

Das E-Book gibt es für 9,99 € in allen gängigen Online-Shops. ISBN 9783844292503.
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Von Lutz Büge stammen diese Bücher und E-Books:

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Eine Antwort auf Wie dicht waren wir 2014/15 an einer Ebola-Pandemie?

  1. maiillimi sagt:

    1 grand merci fuer diesen informativen beitrag – fuer laien sehr aufschlussreich.