Was macht eigentlich Richard Perle heute?

Virenkrieg Cover 001In unserer kleinen Serie „Was macht eigentlich …” habe ich diesmal versucht, den Ideengebern der Falken-Connection hinter George W. Bush ein wenig nachzuspüren. Dazu gehört ein Mann, der kein Regierungsamt innehatte und dessen Einfluss trotzdem kaum zu unterschätzen ist: Richard Perle. Er hat wesentlich dazu beigetragen, den Neokonservatismus in den USA salonfähig zu machen. Schon früh, nämlich schon 1998, forderte er den Einmarsch in den Irak und die Beseitigung Saddam Husseins.

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Was macht eigentlich Richard Perle heute?

„Wir müssen Terrorismus aus seinen Zusammenhängen lösen. Jeder Versuch, die Wurzeln von Terrorismus zu diskutieren, ist ein Versuch, Terrorismus zu rechtfertigen. Er muss schlicht bekämpft und vernichtet werden.“ (Zitiert nach J.Lynch/A. McGoldrick: Peace Journalism. 2005. Zitat gefunden hier.)

Der Mann dem diese Worte zugeschrieben werden, heißt Richard Perle und hatte keine entscheidenden Ämter in der US-Regierung inne; unter Reagan war er Staatssekretär im Verteidigungsministerium, unter George W. Bush beriet er das Verteidigungsmininisterium. Doch er hatte schon früh Eindruck gemacht: Man nannte ihn seit der Reagan-Zeit auch „Fürst der Finsternis“. Er war der wohl wichtigste jener Intellektuellen aus dem Umkreis der Washingtoner Think Tanks (zu deutsch: Denkfabriken), die dem Neokonservatismus Bush’er Prägung den Weg bereiteten. Als gern gesehener Talkshow-Gast erhielt er vielfältige Gelegenheiten, seine Ansichten wieder und wieder zu wiederholen. In einer zunehmend komplizierter werdenden Welt entsprach er mit seinen populistischen Vereinfachungen womöglich einem Grundbedürfnis vieler Amerikaner.

Ihm werden viele pointierte Zitate zugeschrieben, aber das, welches ich oben widergegeben habe, ist wohl eines der verräterischsten, denn es charakterisiert die neokonservative Denkweise so treffend wie kaum ein anderes: Man hält sich nicht damit auf, nach den Ursachen zu fragen, egal welcher Probleme, sondern man geht hin und bekämpft sie, und zwar mit aller Konsequenz. Nach Ursachen zu fragen, ist letztlich etwas für linke Weicheier und Gutmenschen.

Warum marschieren die USA heute nicht wieder im Irak ein?

Vor diesem Hintergrund wundert es mich inzwischen doch ein wenig, warum in den USA derzeit partout keine Stimmen laut werden wollen, die einen Wieder-Einmarsch in den Irak fordern, denn dort grassiert der Terrorismus. Perle hatte schon seit 1998 als einer der Lautesten nach dem Einmarsch gerufen — mit immer den gleichen Sätzen, die er ständig wiederholte, hat er den Gedanken im Bewusstsein der amerikanischen Öffentlichkeit implantiert, ganz nach dem Motto: Es muss nur oft genug behauptet werden, dann glauben es alle. Er bekam seinen Einmarsch. Wäre es nach ihm gegangen, wären die US-Truppen allerdings sofort wieder abgezogen und hätten das Land sich selbst überlassen. Perle sah die Besatzung als Fehler an. Der Abzug der US-Truppen führte dann zu einem Machtvakuum, und während zugleich der Syrien-Konflikt begann, wurden beide Länder zum Aufmarschgebiet einer erstarkten Al-Qaida, die sich vor Zulauf derzeit kaum retten kann. Vor dem US-Einmarsch hatte al-Qaida im Irak kein Bein auf den Boden bekommen. Im Jahr 2013 hingegen tötete das Terrornetzwerk allein im Irak mehr als 7000 Zivilisten und gut 1000 Polizisten mit Selbstmord- und Autobomben-Attentaten. Für Freunde von Kausalketten — zu denen Richard Perle nach eigenem Bekenntnis, siehe oben, nicht gehört — ist das Erstarken von al-Qaida im Irak eine Folge des Abzugs der US-Truppen. Dieser wiederum bildete den Abschluss der Besetzung des Landes, und diese ist, man wagt es kaum zu sagen, eine Folge des Einmarsches.

Grob zusammengefasst: Die USA mit ihrer aggressiven Politik haben al-Qaida im Irak erst groß gemacht. Dasselbe war vorher in Afghanistan passiert und geschah danach in Somalia, wo infolge falscher US-Politik die El-Schabab-Miliz immer stärker wurde. Aber da man im konservativen Washington nun mal erklärtermaßen nicht nach den Ursachen für das Erstarken des Terrorismus‘ fragte, wiederholte man gern seinen eigenen Fehler. Mit dem Ergebnis, dass die Welt nicht sicherer, sondern im Gegenteil unsicherer wurde. Und warum auch nicht? Jede Patrone, jede Granate, jede Luft-Boden-Rakete, die in diesen Ländern verschossen wurde und wird, sichert Arbeitsplätze in den USA und bedeutet heimliche Wirtschaftsförderung für daheim, denn die Arsenale müssen ja wieder aufgefüllt werden. Und die USA sind weiterhin der größte Waffenproduzent und -exporteur der Welt.

Angriffskriege als Mittel zur Verbreitung der Demokratie

Obwohl Richard Perle, der im September 73 wird, meines Wissens keine direkten Verbindungen zum militärisch-industriellen Komplex der USA nachzuweisen sind, kann er durchaus als Einpeitscher für den Komplex betrachtet werden. Er hat immer für US-Alleingänge und für eine Militarisierung der US-Außenpolitik geworben, ganz im Sinne des Komplexes — und genau so ist es gekommen: Heute wird die US-Außenpolitik maßgeblich vom Pentagon mitbestimmt. Die Vereinten Nationen sind für Perle die „Schwatzbude am Hudson“. Er forderte „first strikes“, also Präventivschläge, gegen Nordkorea, Syrien und Iran und hält Angriffskriege für eine Methode, die Demokratie zu verbreiten. Abgesehen von seinen Aktivitäten in Denkfabriken war er seit 1994 Vorstandsmitglied der Hollinger International, eines Verlages, dem u.a. die Zeitung Chicago Sun-Times und Jerusalem Post gehört. Im Jahr 2008 soll er ins Ölgeschäft eingestiegen sein und zusammen mit einem türkischen Konsortium eine Bohrlizenz im kurdischen Teil Iraks gekauft haben.

So hat der Irakkrieg für ihn also zu einem guten Ende geführt. Für andere nicht. 2003 hat Perle gesagt:

„Ich wäre sehr überrascht, wenn es in einem Jahr, von heute an gerechnet, nicht einen großen Platz in Bagdad gibt, der nach Präsident Bush benannt ist. Es gibt keinen Zweifel, dass die Menschen im Irak, abgesehen von einer sehr kleinen Zahl von Leuten, die grausamen Regimen nahestehen, befreit wurden und dass sie verstanden haben, dass sie befreit wurden. Von Tag zu Tag wird es leichter für Irakis, dieses Befreitsein zu leben.“

So kann man sich irren.

Virenkrieg Cover 001„Verehrte Herren, lassen Sie mich nun zum Punkt kommen. Welche Kriterien zeichnen ein echtes Killervirus aus? Ich glaube, es sind vier:
Erstens: Hohes Ansteckungspotenzial. Es kann leicht übertragen werden. Unübertroffen ansteckend ist  das Pocken-Virus, aber auch Influenza-Viren wie H5N1 können das gut.
Zweitens: Hohe Sterbequote mit dem Potenzial, selbst das beste Gesundheitssystem zum Zusammenbruch zu bringen. Unübertroffen: das Marburg-Virus mit bis zu 90 Prozent Toten.
Drittens: Mieses Image. Unser Killervirus löst Panik aus und lässt das gesellschaftliche Zusammenleben zum Erliegen kommen.
Viertens: Kein Gegenmittel. Es steht kein Impfstoff zur Verfügung und es kann in der Eile auch keiner hergestellt werden. Im Idealfall sollte es sich also um ein unbekanntes Virus handeln, das noch nicht erforscht werden konnte.
Und damit kommen wir zum Kern dieser Veranstaltung, sehr geehrte Herren, denn ich hätte hier etwas für Sie, hier in diesem kleinen, unscheinbaren Hochsicherheitsbehälter …“
Auszug aus den SCOUT-Protokollen, März 2017

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