Black Sites — Geheime Gefängnisse der CIA

Virenkrieg Cover 001Höhepunkte sind immer etwas Wunderbares, nicht wahr? Auch mein neuer Roman „Virenkrieg I.“ steuert derzeit unaufhaltsam auf das Finale zu — und wird zugleich düsterer. Heute erscheint Teil 9 „Hydra des Hasses“, und ich bin überzeugt davon, dass keiner von uns gern an einer solchen Kreuzfahrt teilnehmen möchte, wie sie Alfred Winter hier erlebt. Aus diesem Anlass habe ich ein wenig über das dunkelste Kapitel der Politik unseres „großen Bruders USA“ recherchiert.

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Black Sites — Geheime Gefängnisse der CIA

Geheimdienste gibt es deswegen, weil für Staaten, selbst solche demokratischer Couleur, immer die Notwendigkeit bestand, in einer Grauzone jenseits der Legalität agieren zu müssen — denn die anderen tun es ja auch. Spionage, Gegenspionage — das alte Spiel. Alle Staaten haben Geheimdienste, auch Deutschland. Selbst Geheimdiensten wie der zurzeit scharf kritisierten US-amerikanischen National Security Agency (NSA) wird dabei kaum jemand absprechen, dass sie vor allem die nationale Sicherheit und die Sicherheit der Bürger ihres Landes zu gewährleisten versuchen. Sie greifen dabei aber mitunter zu Mitteln, die man nur als maßlos bezeichnen kann. Herausragendes Beispiel: die Central Intelligence Agency (CIA), der wahrscheinlich mächtigste Geheimdienst der Welt, und ihre „Black Sites“.

Die erste Black Site, deren Existenz bekannt wurde, war die Insel Diego Garcia, der bedeutendste US-Luftwaffen- und Marinestützpunkt im Indischen Ozean. Von hier aus wurden im Golfkrieg und in Afghanistan Luftangriffe geflogen. Ende 2002 berichtete die Washington Post von einem Internierungslager nach dem Vorbild Guantánamos auf der Insel, im Jahr 2003 nahm der Spiegel die Berichterstattung auf. Die Insel gehört eigentlich zu Großbritannien, die USA haben dort aber zurzeit Aufenthaltsrecht bis 2036. Größter „Vorteil“: Diego Garcia liegt dermaßen weit ab vom Schuss, dass so gut wie nichts darüber bekannt wurde, was dort vor sich ging. Wir wissen nicht, wie viele Menschen dort interniert wurden (oder noch interniert sind?). Die Washington Post berichtete, dass Gefangene dort zu stundenlangem Stehen oder Knien gezwungen oder durch Dauerbeleuchtung am Schlafen gehindert worden seien; Verletzten seien Schmerzmittel vorenthalten worden. Das sind Methoden, die nach US-Sprachregelung unter „aggressives Befragen“ fallen.

Das US-Jagd-U-Boot „Dallas“ legt 2008 in Diego Garcia an. So darfst Du Dir die „Ticonderoga“ aus meinem Roman „Virenkrieg“ vorstellen. Foto: Marion Doss

Diese harmlosen „erweiterten Verhörmethoden“, zu denen auch das Waterboarding zählte, forderten Todesopfer. Bekannt wurden etwa zwei Todesfälle in einer anderen Black Site: der Bagram Air Base bei Kabul in Afghanistan. Die New York Times berichtete am 20. Mai 2005 darüber. Durch eine Autopsie wurden deutliche Spuren von Schlägen nachgewiesen. Bagram Air Base ist das Hauptquartier der US-Streikräfte in Afghanistan. Die Internierten werden hier — wie auch in Guantánamo und Diego Garcia — ohne Haftbefehl gefangen gehalten, ja ohne auch nur eines Verbrechens angeklagt worden zu sein. Der Terrorrismus-Verdacht genügt, damit sie nach US-Recht auf Dauer weggeschlossen werden können. Sie sind völlig rechtlos. Auch der Kontakt zu Anwälten wird ihnen verwehrt. Die Zahl der Insassen solcher Geheimgefängnisse bis zum offiziellen Verbot von Black Sites im Jahr 2009 wird von Bürgerrechtsorganisationen auf 27.000 geschätzt. Diese Zahl mag hoch gegriffen sein. 36 Personen sollen in solchen Black Sites verschwunden sein. Das Verschwindenlassen von missliebigen Personen ist eigentlich ein Kennzeichen von Diktaturen jeder Art. Die USA müssen sich vorhalten lassen, schwerste Menschenrechtsverletzungen begangen zu haben.

Mutmaßliche Black Sites

Neben diesen großen Internierungslagern — die eigentlich keine Black Sites sind, weil sie ja bekannt wurden — soll es weitere Geheimgefängnisse der CIA gegeben haben, von denen einige mit hoher Wahrscheinlichkeit identifiziert werden konnten. Ganz sicher lässt sich das für den ehemaligen Reiterhof Antaviliai in Litauen sagen, der in den Jahren 2004 und 2005 als Black Site genutzt worden sein soll. (Der Spiegel berichtete, nachdem am 19. November 2009 die Washington Post berichtet hatte. Ich fand die Quelle bei webcitation.org.) Acht Terrorverdächtige sollen dort festgehalten und gefoltert worden sein. Vor einem Ausschuss des litauischen Parlaments sagten ehemalige Staatspräsidenten aus, dass es zwei solcher Black Sites in Litauen gegeben haben soll, Projekt Nr. 1 und Projekt Nr. 2. Das zweite sei der Reiterhof gewesen. Seit dem 1. Mai 2004 ist Litauen EU-Mitgliedstaat. Das heißt, dass auf EU-Territorium gefoltert wurde, wenn die Vorwürfe zutreffend sein sollten.

„Erweiterte Verhörmethoden“ im Foltergefängnis Abu Ghraib

Dasselbe scheint noch für zwei weitere EU-Mitgliedsstaaten zuzutreffen: Rumänien (EU-Mitglied seit 2007) und Polen (seit 1. Mai 2004). Auf dem rumänischen Flughafen Mihail Kogălniceanu betreiben die USA seit 1999 einen Militärstützpunkt, dessen Nutzung noch bis 2015 läuft (kann vermutlich verlängert werden). Eine Ermittlungskommission des Europarats legte am 8. Juni 2007 Beweise dafür vor, dass es dort geheime Foltergefängnisse gebe — und zwar mit dem Wissen rumänischer Politiker bis hin zum heutigen Staatspräsidenten Traian Băsescu. Die mutmaßliche Black Site in Polen heißt Stare Kiejkuty und liegt in der Nähe des masurischen Regionalflughafens Szczytno-Szymany in einer der einsamsten Gegenden des Landes. Auch hier ermittelte der Europarat, in dessen Bericht es heißt:

„Uns wurden acht Namen von ‚High Value Detainees‘ bestätigt — jeder Name von mehr als einer Quelle –, die in Polen zwischen 2003 und 2005 festgehalten wurden. Präziser gesagt, unsere Quellen innerhalb der CIA nannten uns Polen als jene ‚Black Site‘, in der Abu Zubaydah und Khalid Scheich Mohammed festgehalten wurden und unter Anwendung von ‚erweiterten Verhörtechniken‘ befragt wurden.“

Der saudi-arabische Staatsbürger Zubaydah gilt als al-Qaida-Mitglied und wird zurzeit in Guantánamo festgehalten. Seine Anwälte geben an, er sei in Black Sites in Thailand, Polen, Marokko und Litauen gefangengehalten und gefoltert worden. Er galt als Vertrauer von Osama bin Laden, doch inzwischen hat das US-Justizministerium die meisten Anschuldigungen zurückgenommen. Freigelassen wurde Zubaydah bisher dennoch nicht.

Khalid Scheich Mohammed gilt als Chefplaner der Terroranschläge vom 11. September 2001. Auch dieser Mann — hier rechts kurz nach seiner Festnahme 2003 in Rawalpindi — befindet sich derzeit in Guantánamo. Die Darstellung des Europarats, er sei auch in Stare Kiejkuty festgehalten worden, wird durch einen Bericht der New York Times gestützt. Khalid hat insgesamt 31 Attentate und versuchte Attentate gestanden, doch wird der Wert dieser Geständnisse in Zweifel gezogen, da unklar ist, wie viele davon unter Anwendung „erweiterter Verhörmethoden“ zustande kamen. Zugleich gibt es grundlegende Zweifel an der Identität dieses Mannes, denn anderslautenden Berichten zufolge soll Khalid Scheich Mohammed bereits ein halbes Jahr vor seiner Festnahme erschossen worden sein. Die Leiche sei von seiner Ehefrau identifiziert worden, berichtete damals die Asian Times Online laut Wikipedia (kein Link verfügbar). Wenn das stimmt — wer ist dann der Mann auf dem Foto, der in Guantánamo festgehalten wird?

Die polnischen CIA-Gefängnisse sind übrigens bis heute ein Thema, das immer wieder aktuell wird. Am 2. November 2013 meldete Polen Heute, dass der „Jemenit Walid bin Attash den Status eines Opfers im polnischen Verfahren bezüglich angenommener USA-Geheimgefängnisse“ erhalten habe. In diesem Verfahren klagen ehemalige Häftlinge vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gegen Polen, das die Aufklärung der Vorwürfe immer wieder zu verschleppen versucht. Dabei wird untersucht, ob „polnische Entscheidungsträger in der Politik ihr Einverständnis für Gefängnisse und Folter auf polnischem Boden gaben“. Seit 2006 befinden sich die polnischen Opfer in Guantánamo.

Dass diese Dinge herauskamen, ist maßgeblich dem Schweizer Politiker Dick Marty zu verdanken, der die entsprechenden Ermittlungen des Europarats leitete. Weitere Black Sites sollen sich in der Ukraine, dem Kosovo, Bulgarien und Mazedonien befinden.

Deutsche Beteiligung

Es gibt Vorwürfe, dass Soldaten vom Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr in Bagram zeitweilig die Überwachung der Häftlinge übernommen haben sollen. Der in Bremen geborene türkische Staatsbürger Murat Kurnaz, der von 2001 bis 2006 in US-Haft in Bagram und Guantánamo war, behauptet, von deutschen KSK-Soldaten misshandelt worden zu sein. Die Vorwürfe beschäftigten zwei Untersuchungsausschüsse des Deutschen Bundestages und konnten weder bewiesen noch widerlegt werden.

Der Bundesnachrichtendienst soll von den Erkenntnissen profitiert haben, die die Amerikaner  mit ihren Methoden erzielten.

Bis 2005 wurden viele der Gefangenentransporte über die Rhein Main Air Base am Frankfurter Flughafen (siehe Bild rechts) abgewickelt. Die Rede ist von insgesamt 437 Flügen, die als Businessflüge getarnt waren. Mag die Basis selbst auch US-Recht unterstanden haben — sie wurde 2005 geschlossen –, so ist der Gefangenentransport durch deutschen Luftraum dennoch völkerrechtswidrig. Allerdings unternahm die deutsche Regierung nichts dagegen, nachdem die Überflüge bekannt wurden.

Die Parlamentarische Versammlung des Europarates stellte schon 2006 fest:

„Die Vereinigten Staaten von Amerika haben schrittweise ein heimliches Netz gesponnen, bei dem Personen verschwanden, geheime Inhaftierungen erfolgten und Gefangene illegal zwischen den Staaten transportiert wurden. Die Mitgliedsstaaten des Europarates waren ihnen dabei behilflich oder tolerierten es.“

Es ist also falsch, immer nur auf die USA zu zeigen; Europäer machten sich mitschuldig. Zudem hat US-Präsident Barack Obama ja bereits am 22. Januar 2009 die sofortige Schließung aller CIA-Geheimgefängnisse angeordnet. Dazu heißt es weiter auf Wikipedia:

„Die CIA bleibt aber weiterhin vom Präsidenten autorisiert, Terrorverdächtige im Geheimen zu entführen und sie in Gefängnisse in Ländern zu verfrachten, die mit den Vereinigten Staaten zusammenarbeiten.“

Das bedeutet nichts anderes, als dass die CIA zu derselben Praxis zurückgekehrt ist, die sie vor der Ära der eigenen Geheimgefängnisse übte: Menschen werden entführt und dann an Staaten übergeben, in denen die gewünschten Informationen (Fragekatalog wird mitgereicht) mit allen nötigen Mitteln gewonnen werden können, ohne dass US-Recht davon berührt wird — um das einmal in der offiziellen Weise zu formulieren. Solche Länder sind bzw. waren z.B. Usbekistan, Syrien und Ägypten. Es wird also weiter gefoltert.

Ein kleines PS in eigener Sache

Internet-Rechercheure wie ich können nur sammeln, kumulieren und auswerten, was andere Journalisten zusammengetragen haben. Ich möchte daher an dieser Stelle allen investigativen Journalisten danken, die all diese Missstände teils mit jahrelangen Recherchen aufgedeckt haben und weiter aufdecken. Das sind Menschen wie der Bestseller-Autor Jeremy Scahill, der durch die USA begangenes Unrecht auch in seinem aktuellen Buch „Schmutzige Kriege“ aufdeckt. Einige der Informationen dieses Artikels stammen aus diesem Buch. Auch meine Romane wären ohne solche Quellen undenkbar. Das gilt ganz besonders für den heute erscheinenden neunten Teil „Hydra des Hasses“.

Virenkrieg Cover 001„Verehrte Herren, lassen Sie mich nun zum Punkt kommen. Welche Kriterien zeichnen ein echtes Killervirus aus? Ich glaube, es sind vier:
Erstens: Hohes Ansteckungspotenzial. Es kann leicht übertragen werden. Unübertroffen ansteckend ist  das Pocken-Virus, aber auch Influenza-Viren wie H5N1 können das gut.
Zweitens: Hohe Sterbequote mit dem Potenzial, selbst das beste Gesundheitssystem zum Zusammenbruch zu bringen. Unübertroffen: das Marburg-Virus mit bis zu 90 Prozent Toten.
Drittens: Mieses Image. Unser Killervirus löst Panik aus und lässt das gesellschaftliche Zusammenleben zum Erliegen kommen.
Viertens: Kein Gegenmittel. Es steht kein Impfstoff zur Verfügung und es kann in der Eile auch keiner hergestellt werden. Im Idealfall sollte es sich also um ein unbekanntes Virus handeln, das noch nicht erforscht werden konnte.
Und damit kommen wir zum Kern dieser Veranstaltung, sehr geehrte Herren, denn ich hätte hier etwas für Sie, hier in diesem kleinen, unscheinbaren Hochsicherheitsbehälter …“
Auszug aus den SCOUT-Protokollen, März 2017

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10 Antworten auf Black Sites — Geheime Gefängnisse der CIA

  1. Xiane sagt:

    gut, dass ich nicht so lange warten musste und folge 9 schon am mittwoch lesen konnte…
    also, liebe mitleserinnen und -er, war das nicht wieder ein higlight?
    ich frag mich, wo du, lutz, all deine kenntnisse hernimmst. deine nautischen informationen klingen nach profi…
    enfin, nur loben geht ja nicht; aber gemäkel hebe ich mir für dann auf, wenn es angebracht ist. ich bleibe also beim lob:
    diese überzeugende rede von lindsay preston, dieser unsäglichen us-präsidentin (ungefähr ab 40 %). das hast du meisterhaft hinbekommen! So echt, dass man eigentlich nicht glauben mag, dass es nicht echt ist.
    und sehr gut fand ich auch wieder die diversen mono- und dialoge um das auge-um-auge-thema (wo die am pranger mit den gleichen mitteln bestraft werden, die sie an ihren opfern benutzt haben). soweit zur hydra.
    und überhaupt frage ich mich, wie du alle stränge im kopf (oder im pc) haben kannst, um sie so logisch wieder aufnehmen zu können.

    ich kann mir nicht vorstellen, dass in der letzten folge all meine offenen fragen beantwortet werden. umso schlimmer, dass die spannung dann bis zu teil II. bleiben muss. wenn ’s wenigstens eine kleine vorschau gäbe…
    nun habe ich gerade deine hintergrundinformationen über die Black Sides entdeckt. dazu – falls – mehr getrennt.

  2. Lutz Büge sagt:

    Liebe Xiane,

    das ist ja wieder sehr viel Lob. Mann, das freut meinereinen! Aber wenn Du schon andeutest, dass Du „Gemäkel“ hast — das soll wohl ein anderes Wort für Kritik sein, was? –, dann finde ich: Gib Butter bei die Fische. Sonst glauben andere Kommentatoren/-innen noch, dass man nur dann was hier auf dem Ybersinn schreiben darf, wenn man Lob auszusprechen hat. Nein, ich will auch wissen, was Du nicht so gut gefunden hast.

    Zum Punkt „alle meine offenen Fragen“ — der „Virenkrieg“ ist von Anfang an auf einen Zyklus von fünf Romanen ausgelegt gewesen. Davon sind wir jetzt kurz vorm Schluss des ersten Romans. Aber darüber lass uns nächste Woche noch mal reden, wenn Du genau sagen kannst, welche Fragen offengeblieben sind. Einverstanden?

    Übrigens: Der Zyklus, in dem ich Artikel auf dem Ybersinn veröffentliche, ist zuletzt immer Montag und Donnerstag jeweils gegen 15 Uhr gewesen. Ich glaube, bei diesem Rhythmus werde ich auch bleiben.

  3. Xiane sagt:

    lieber lutz, die offenen fragen haben (noch) nix mit gemäkel zu tun!
    dennoch: nach dem ende des ersten (10er-)aktes werde ich mich drüber beugen.

  4. Nefertari sagt:

    @Xiane, ja, das war wieder ein highlight!
    Auch ich finde seine Kenntnisse bewundernswert und klasse!
    Lutz bringt mit seinen Buechern und Artikeln seine Berufung rueber. Damit auch seine Staerken. Seine Staerken sind nicht nur das Schreiben, auch das gruendliche und perfekte Recherchieren gehoert dazu.
    Wir als Leserinnen nehmen die Ergebnisse sehr gerne an.

    Was Black Sites angeht, es ist nach wie vor erschreckend mit was, wie, wo…Geheimdienste agieren und vor allem wie verbrecherisch.
    Wenn man sich mal intensiver damit beschaeftigt und recherchiert, koennen einem einfach nur die Haare zu Berge stehen. Letzendlich bleibt Entsetzen Wut und Misstrauen.

  5. Tante E. sagt:

    Lieber Lutz, ich finde es sehr bequem für uns, dass Du für uns alle diese Fakten konzentriert zusammen fasst. Flüchtig haben wir das ja auch alles schon mal irgendwo gelesen und dann wieder durch andere Informationen überlagert in hintere Regionen unseres Gehirnes verbannt. Eigentlich sind alle diese Informationen eine Aufforderung zum Tätigwerden. Zum öffentlichen Aufschreien. Leider haben sich viele Formen des Protestes erschöpft und ermüden unsere Mitbürger. Vielleicht müssen wir, wenn wir psychisch diesem Ausmaß an Schrecken dieser Welt nicht mehr gewachsen sind, andere Formen des Widerstandes entwickeln. Weiche! Sanfte, aber beharrliche. Dein Weg ist richtig, der erste Schritt ist Aufklärung. Mitreißende, spannende Lektüre, die auch emotional koloriert, was an diesen politischen Machtverhältnissen falsch und menschenverachtend ist, obwohl offiziell Menschenrechte und Demokratie ganz oben auf allen Proklamationen dieser „freien Welt“ stehen, die sie selber mit ihren Stiefeln treten. Aber was ist der zweite Schritt? Und der dritte? Was uns wohl im Augenblick fehlt, ist die Vorstellung von der Verwirklichung einer funktionierenden globalen Gesellschaft, die wirklich human und repressionsfrei ist. Der Wunsch ist sicher da, aber wer weiß schon, wie man das macht, unter Berücksichtigung aller kulturellen Eigenarten? Bei allem, was die Menschheit zu meinem großen Erstaunen und meiner Bewunderung an technischen Entwicklungen hervorgebracht hat – menschlich ist sie nicht so viel weiter gekommen. Na ja, ein ganz kleines Bisschen vielleicht schon. Fragezeichen.

  6. Lutz Büge sagt:

    Liebe Tante E.,

    ich wollte eigentlich gerade schlafen gehen, da sah ich, dass Du einen Kommentar geschrieben hast. Da will ich doch noch drauf antworten, auch wenn es schon früh ist.

    Mein Weg ist richtig, schreibst Du; der erste Schritt sei Aufklärung. Für mich persönlich bin ich den von Dir angemahnten zweiten und auch dritten Schritt gegangen, so wie es eben in meiner beschränkten Macht steht. Aus den Informationen, die ja zur Verfügung standen, habe ich etwas gemacht, was mehr ist als „nur“ die Informationen: Ich habe sie zu einer Geschichte verarbeitet. Zunächst einmal nur für mich, als Autor, bei meiner Arbeit im stillen Kämmerlein — wobei allerdings meine beiden Nymphensittiche Max und Paul dafür gesorgt haben, dass es nicht lange still blieb in diesem Kämmerlein. Aber ansonsten stimmt das Klischee.

    Für mich ist das ein Schritt über die Information hinaus, weil ich die Information damit an mich herangelassen habe und weil ich zugelassen habe, dass sie etwas mit mir macht. Ich glaube übrigens, dass viele andere Menschen diese Information an sich heranlassen, siehe Nefertaris wütender Kommentar #4. Aber zuzulassen, dass das etwas mit einem/-r macht, das ist nicht ganz so einfach. Man könnte ja wahnsinnig werden, wenn man sich wirklich mal in die Situation eines Häftlings hineinversetzt, der in einem dieser Gefängnisse sitzt ohne auch nur die geringste Aussicht darauf, dass seine Rechte beachtet werden. Und dies möglicherweise über Jahre hinweg. Ich finde es vernünftig und richtig, wenn die Menschen aus Gründen des Selbstschutzes vor zu intensiver Auseinandersetzung zurückschrecken.

    Ich bin nun in dieser Situation gewesen. Nur als Autor — aber das ist fast so, als wärst Du selbst dort. Ich habe miterlebt, was Alfred Winter in diesem CIA-Gefängnis in Rumänien getan hat — nicht physisch, sondern in meiner Fantasie. Ich habe auch miterlebt, wie Winter das Tribunal durchzustehen versucht, aber ich muss sagen, dass ich relativ wenig Empathie für ihn übrig hatte. Und das habe ich aufgeschrieben.

    Mein dritter Schritt war, das ganze unter meinem Namen zu veröffentlichen. Da hat die Welt — sorry, kleiner habe ich es gerade nicht — einen hochpolitischen Roman, der ihr den Spiegel vorhält. Ich für mein Teil bin damit politisch aktiv geworden, ich habe meine Aufgabe als Autor erfüllt. Natürlich hoffe ich, dass viele Menschen diesen Roman lesen und dass er vielleicht der Zündfunke zu einem Aufschrei wird, wie Du, Tante E., ihn Dir vorstellst. Im Großen und Ganzen glaube ich aber, dass das US-Imperium seinen Zenit ohnehin überschritten hat und dass es innerhalb der nächsten 30 bis 50 Jahre zerfallen wird, weil es innerlich völlig verrottet ist. Es wird damit den Weg gehen, den alle Imperien gegangen sind. Und bis dahin wird es noch viele Tote geben.

  7. Tante E. sagt:

    Puh, ich bin jetzt auch dabei ins Bett zu gehen. Dein letzter Satz wird wohl richtig sein. Aber was wird aus dem Rest der Welt? Gute Nacht, lieber Lutz.

  8. Nefertari sagt:

    Ein guter Freund von mir, sagte mal: Die Menschen wissen ihre Freiheit nicht zu nutzen.
    Da ist wohl eine Menge Wahrheit dran.
    Ich glaube aber auch, viele Menschen sind des Kampfes muede. Die Mehrheit ist nur noch mit dem Alltag beschaeftigt. Wie kommt man am besten durchs Leben und das bestmoeglich. Resignation und Bequemlichkeit kommt sicher auch noch dazu. Dann ist es sicher auch noch eine Generationenfrage. Fuer junge Leute sind wahrscheinlich ganz andere Dinge wichtig und das Organisieren fehlt. Stellt sich auch die Grage, wo bleibt der Kampf der Gewerkschaften im Land? Mein Eindruck, aus das ist sehr zurueck gegahren….
    Letztendlich sind wir keine Politiker, sind sie es nicht, die fuer Demokratie zu sorgen haben?
    Wenn ich hier falsch liege, bitte korigieren.

    Ja Lutz, Du hast getan, was fuer Dich richtig ist, das ist Dein Weg. Man kann nur hoffen, dass Du viele mitreisst!

  9. Xiane sagt:

    Lieber spät als gar nicht möchte ich mich dazu äussern, was du, Lutz, unter 6) schreibst. Das ist es, was ich besonders schätze (und bewundere), dass du den Mut hast, unter deinem Namen all das brisante Material aus deiner Sichtweise „verpackt“ zu veröffentlichen. Auch wenn im Hintergrund manches geschieht, was man eher in einer richtigen Diktatur erwartert, so ist es immerhin – noch – möglich, sich so offen zu bekennen… sofern man nicht einen Job hat, in dem es zu Repressalien und anderen Konsequenzen kommen könnte. Ich erinnere an die Zeit der Berufsverbote (von denen einige meiner engagierten und kritisch denkenden Freunde betroffen waren).
    Und wie wird die breite Öffentlichkeit reagieren… im April? Da hast du dir wirklich etwas vorgenommen. Hut ab.

  10. Xiane sagt:

    Nachtrag. Mangels Internetzugang ist einiges verschütt gegangen, was ich spontan nach der Lektüre der Folge 9 empfunden habe. Ich möchte aber unbedingt noch festhalten, wie überzeugend die Rede der US-Präsidentin Lindsay Preston war. Das hast du meisterhaft hinbekommen – so echt, dass man eigentlich nicht glauben mag, dass es nicht echt ist.