Eine sonderbare Mordserie

Virenkrieg Cover 001Was wäre, wenn? Zum Beispiel: Was wäre, wenn J.R.R. Tolkien seinen „Herrn der Ringe“ nicht in den 1940er Jahren geschrieben hätte, sondern in den 1990ern? Läge Mordor dann im Westen? Was wäre, wenn die CIA nicht seit 1979 die afghanischen Mudschaheddin unterstützt hätte, um die Sowjetunion zum Einmarsch in Afghanistan zu provozieren — was bekanntlich zum Zusammenbruch des Sowjetreichs führte? Läge Mordor dann doch weiterhin im Osten? Was wäre, wenn John F. Kennedy nicht erschossen worden wäre?

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Eine sonderbare Mordserie

Es ist eine der schönsten Aufgaben von Autoren, sich mit dem auseinanderzusetzen, was wäre, wenn. Manche Autoren tun das mit frei fließender Fantasie und schreiben Fantasy oder Science Fiction — oder mit einem etwas altmodischen Wort, das ich aber nicht abwertend meine: Märchen. Andere schreiben Krimis, um die Abgründe der menschlichen Psyche auszuloten. Mein Polit-Thriller „Virenkrieg“, von dem heute der achte Teil „Am Pranger“ erscheint, hat von beidem etwas, aber er basiert auf unserer heutigen politischen und wirtschaftlichen Wirklichkeit und setzt sich auf vielfältige Weise mit ihr auseinander. Hier wird aus dem „Was wäre, wenn …“ ein Gedankenspiel, das die heutige Wirklichkeit in das Jahr 2024 „hochrechnet“.  Diese Roman-Wirklichkeit von 2024 basiert dabei auf der historischen Wirklichkeit von 1963, denn ich bin der festen Überzeugung, dass unsere Welt heute völlig anders aussähe, wenn John F. Kennedy damals nicht ermordet worden wäre.

Was wäre, wenn JFK nicht ermordet worden wäre? Die USA wären nicht in den Krieg gegen Vietnam gezogen. Das Vietnam-Trauma, das dieses Land so tief gezeichnet hat, wäre ihnen erspart geblieben. Der Rüstungsindustrie wären viele Milliarden US-Dollar Umsatz durch die Lappen gegangen. Kennedy wäre 1964 wiedergewählt worden. Er hätte seine zweite Amtszeit dazu genutzt, Verträge über nukleare Abrüstung mit der UdSSR abzuschließen, hätte also eine Entspannungspolitik eingeleitet, die auf dem Geheimabkommen nach der Kubakrise basiert hätte. Der Kalte Krieg wäre um etwa 1967 zu Ende gewesen und nicht erst im Jahr 1989. Die US-Rüstungsindustrie hätte weitere zig Milliarden US-Dollar nie verdient. Der militärisch-industrielle Komplex in den USA wäre kollabiert. Die Sowjetunion würde noch heute existieren, aber sie wäre inzwischen wahrscheinlich, ähnlich wie China, kapitalistischer als die USA. Es wäre nicht zur deutschen „Wieder“-Vereinigung gekommen, und Menschen wären nicht — oder nicht so rasch — zum Mond geflogen.

Den überwiegenden Teil dieses „Was wäre, wenn …“-Szenarios bewerte ich positiv, nur zum Schluss hin werden mir seine Auswirkungen unsympathisch. Aber natürlich wird das Szenario umso ungenauer, je weiter es sich vom Ausgangs-Ereignis, der Nicht-Ermordung Kennedys am 22. November 1963 entfernt. Wer weiß, ob die Hardliner auf beiden Seiten — es gab Falken auf US-amerikanischer wie auch auf sowjetischer Seite — nicht andere Wege gefunden hätten, ihre große Feindschaft zu pflegen. Aber ich halte die Wahrscheinlichkeit doch für recht hoch, dass die Welt heute ein sehr viel friedlicherer Ort wäre, als sie es tatsächlich ist.

Die Welt — kein friedlicher Ort

Doch es war ja nicht nur der Mord an John F. Kennedy, der dafür sorgte, dass die Welt nicht zu diesem friedlichen Ort wurde. Es ist erstaunlich und dennoch wahr, dass es noch weitere Attentate in den USA gab, die eines gemeinsam hatten: Sie verhinderten, dass die USA sich zu schnell entwickelten. Diese Morde waren:

21. Februar 1965 — Malcolm X, der sich seit 1964 El Hajj Malik el-Shabazz nannte, war Wortführer der „Nation of Islam“ (Black Muslims), die eine Ideologie der Überlegenheit der Schwarzen verbreitete und auf die Gründung von Homelands hinarbeitete. In den von Weißen geprägten Medien wurde Malcolm X zum Hassprediger stilisiert. Er war ein scharfer Kritiker der Philosophie der Gewaltlosigkeit und der Integration der Schwarzen, die von Martin Luther King vertreten wurde. Malcolm X wurde im Audubon Ballroom in Washington Heights erschossen, wo er einen Vortrag halten wollte. Man zählte 21 Schusswunden. Es soll drei Attentäter gegeben haben, einer wurde sofort gefasst. Polizei und FBI sollen von den Attentatsabsichten erfahren, aber keinerlei Schutzmaßnahmen ergriffen haben.

4. April 1968 — Martin Luther King wurde auf dem Balkon des Lorraine Motels in Memphis/Tennessee erschossen. King, eine der herausragenden Figuren der afro-amerikanischen Bürgerrechtler-Bewegung, hatte erst am Tag zuvor seine berühmte Rede „I’ve been to the mountain top“ gehalten und bereitete nun den „Poor People’s March“ mit vor. Der mutmaßliche und auch verurteilte Schütze James Earl Ray soll aus dem Toilettenfenster eines gegenüberliegenden Motels geschossen haben. Auf der Tatwaffe fanden sich zwei Fingerabdrücke, im gesamten Motelzimmer aber hat Ray keinerlei Fingerabdrücke hinterlassen. Ray floh und wurde zwei Monate später in London festgenommen. Zunächst gestand er die Tat, widerrief sein Geständnis aber später, um eine Wiederaufnahme seines Verfahrens zu erreichen — was ihm nicht gelang. Zeugen, die am Tatort waren, sagten aus, dass die Schüsse nicht aus dem Toilettenfenster, sondern aus einem Busch in seiner Nähe abgefeuert worden seien. Der Mord kann bis heute nicht als vollständig aufgeklärt angesehen werden. Dank der Aussagen des ehemaligen Sheriffs Jim Green gibt es Hinweise auf eine FBI-interne Verschwörung.

6. Juni 1968 — Robert F. Kennedy starb an den Schusswunden, die ihm am 5. Juni kurz nach Mitternacht in der Küche des Hotels Ambassador in Los Angeles zugefügt worden waren. Der Schütze, ein Palästinenser namens Sirhan Sirhan, wurde gefasst und verurteilt. Kennedy befand sich im Vorwahlkampf zur US-Präsidentschaft, d.h. er begann sich in den Vorwahlen der Demokratischen Partei als aussichtsreicher Kandidat für den Präsidentschaftswahlkampf zu etablieren, hatte die Kandidatur aber noch nicht in der Tasche. Sirhan Sirhan sitzt bis heute im Gefängnis. Es gibt einige Ungereimtheiten rund um den Mord, die Anlass zu Verschwörungstheorien geben. Unter anderem hatten Augenzeugen — Audio-Dokumente belegen das — mehr als acht Schüsse gehört, obwohl Sirhan nur eine Waffe mit einem Magazin für acht Schüsse hatte. Diese Aussagen gaben Anlass zu Spekulationen über einen zweiten Schützen. Hinzu kam, dass der zuständige Leichenbeschauer Einschüsse im Rücken des Kandidaten feststellte, während Sirhan jedoch von vorn geschossen hat. Sirhan leugnet bis heute; angeblich kann er sich an das Attentat nicht erinnern. Er sei erst Minuten später zu Bewusstsein gekommen. Es gibt Theorien darüber, dass er psychisch konditioniert worden sein könnte.

Es ist müßig, darüber zu spekulieren, ob Robert Kennedy im November 1968 gegen den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Richard Nixon gewonnen hätte. Statt seiner unterlag Hubert Humphrey, Vizepräsident unter Lyndon B. Johnson. Robert Kennedy hätte allerdings, wäre er gewählt worden, eine erkennbar andere Politik gemacht als Nixon, der Intrigen liebte. Unter anderem wäre der Vietnam-Krieg wohl schnell beendet worden. Und ebenso müßig wäre es eigentlich auch, darüber nachzudenken, wie diese drei Morde das innenpolitische Klima der USA beeinflusst haben, denn auffällig ist ja, dass es im gleichen Zeitraum keine Morde an konservativen Politikern oder Aktivisten gegeben hat.

Was haben diese Morde gemeinsam?

Der Mord an Malcolm X „köpfte“ die radikale „Nation of Islam“ und führte dazu, dass sie sich aufsplitterte und an Bedeutung verlor. Der Protest der afro-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung hingegen hatte zum Zeitpunkt der Ermordung Martin Luther Kings bereits die Mitte der US-amerikanischen Gesellschaft erreicht. Die Rassentrennung war seit 1964 aufgehoben, die Afro-Amerikaner hatten das Wahlrecht erhalten. Was blieb, war die soziale Diskriminierung, gegen die King weiter kämpfen wollte und die bis heute anhält. Und der Mord an Robert Kennedy schließlich verhinderte, dass einer der progressivsten Köpfe seiner Zeit Präsident werden konnte. Man könnte also sagen, dass alle drei Morde zusammen das innenpolitische Klima der USA „stabilisierten“. Die 68er-Bewegung war auf ihrem Höhepunkt. In den folgenden 33 Jahren bis 2001 erlebte die US-Gesellschaft im Inneren kaum extreme Ausschläge. Dann allerdings veränderte sie sich massiv.

Virenkrieg Cover 001„Verehrte Herren, lassen Sie mich nun zum Punkt kommen. Welche Kriterien zeichnen ein echtes Killervirus aus? Ich glaube, es sind vier:
Erstens: Hohes Ansteckungspotenzial. Es kann leicht übertragen werden. Unübertroffen ansteckend ist  das Pocken-Virus, aber auch Influenza-Viren wie H5N1 können das gut.
Zweitens: Hohe Sterbequote mit dem Potenzial, selbst das beste Gesundheitssystem zum Zusammenbruch zu bringen. Unübertroffen: das Marburg-Virus mit bis zu 90 Prozent Toten.
Drittens: Mieses Image. Unser Killervirus löst Panik aus und lässt das gesellschaftliche Zusammenleben zum Erliegen kommen.
Viertens: Kein Gegenmittel. Es steht kein Impfstoff zur Verfügung und es kann in der Eile auch keiner hergestellt werden. Im Idealfall sollte es sich also um ein unbekanntes Virus handeln, das noch nicht erforscht werden konnte.
Und damit kommen wir zum Kern dieser Veranstaltung, sehr geehrte Herren, denn ich hätte hier etwas für Sie, hier in diesem kleinen, unscheinbaren Hochsicherheitsbehälter …“
Auszug aus den SCOUT-Protokollen, März 2017

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16 Antworten auf Eine sonderbare Mordserie