Resultat: Chaos!

Virenkrieg Cover 001Demokratiebewegung in Saudi-Arabien niedergeschlagen, Abdul Kadir Ashur neuer libyscher Diktator — diese „Nachrichten“ klingen, als könnten sie von heute sein. Doch sie beschreiben eine Welt im Jahr 2024, die ich entworfen habe, um vor diesem Szenario meinen Roman „Virenkrieg“ spielen zu lassen, von dem heute Teil 6 „Himmelfahrt“ erscheint. In dieser Welt grassiert islamistischer Terror, doch zugleich beginnen Muslime damit, Front gegen ebendiesen Terror zu machen.

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Resultat: Chaos!

Luftangriffe, Heckenschützen — das Gaddafi-Regime schlug mit äußerster Härte zurück. Der Diktator, von dem der Satz überliefert ist: „Alles was das Volk braucht, ist Essen und Trinken“, reagierte maßlos auf die Forderung eben dieses Volkes nach Meinungsfreiheit, einer Verfassung, guter Bildung und Arbeitsplätzen. Wahrscheinlich glaubte Gaddafi wirklich, stets bestens für sein Volk gesorgt zu haben; ihn hat schon immer der Hauch des Ent- bzw. Verrückten umgeben. Die Wut des Gekränkten traf die Menschen in Libyen hart. Die Zahl der Opfer des libyschen Bürgerkriegs, dessen Prolog mit den ersten Demonstrationen Mitte Januar 2011 begann, wird auf insgesamt rund 30.000 geschätzt.

Konfrontation in Al-Bayda am 17.2.2011. Foto: ليبي_صح

Dass Gaddafi im libyschen Bürgerkrieg letztlich unterlag, ist einzig und allein dem Eingreifen des Westens zu verdanken, denn schon am 19. März 2011 standen Gaddafis Truppen vor Bengasi, der Hochburg der Rebellen, und hätten dem Aufstand beinahe ein Ende gemacht. Dass dieses Eingreifen des Westens dann weit über die von der UN-Resolution 1973 abgedeckten militärischen Aktionen hinausging, erregte zwar manches Gemüt, führte aber nicht zur Änderung der militärischen Taktik. Erlaubt war die Errichtung einer Flugverbotszone, welche die Nato dann auch konsequent durchsetzte, und der Schutz der Zivilbevölkerung mit militärischen Mitteln — ein typischer Diplomaten-Kompromiss, der dazu führte, dass Länder wie China und Russland sich im UN-Sicherheitsrat enthielten, statt gegen die Resolution zu stimmen. Schutz der Zivilbevölkerung mit militärischen Mitteln — das konnte bei entsprechender Auslegung jedes militärische Mittel legitimieren, das zu Gaddafis Ende führte, um das Volk vor Gaddafis Zorn zu bewahren. Wie dem auch sei: Aktionen wie etwa die Kaperung des libyschen Öltankers „Cartagena“ am 3. August 2011 durch libysche Rebellen unter Hilfestellung nicht identifizierter europäischer Spezialeinheiten waren ganz  gewiss nicht durch die Resolution gedeckt. Diese Kaperung war ein Akt internationaler Piraterie, denn sie fand in den Gewässern vor Malta statt.

Ich lasse diese Ereignisse, die Vergangenheit sind, deswegen noch einmal Revue passieren, weil sie im Resultat Chaos erzeugt haben, und wenn man sich dieses Chaos vergegenwärtigt, dann möchte man Libyen aus purer Ratlosigkeit wieder einen Herrscher wünschen, der das Töten im Land beendet. Im „Virenkrieg“, meinem neuen Roman, hat Libyen daher wieder einen Diktator. Er heißt Abdul Kadir Ashur, hat sich 2019 blutig an die Macht geputscht und dann eine Politik der nationalen Versöhnung eingeleitet, um die libysche Gesellschaft zu modernisieren. Wahlen hat er versprochen, aber bisher — fünf Jahre sind verstrichen — nicht durchführen lassen, und auch sonst zeigt er zunehmend ungute Verhaltensweisen. Die Europäer und Amerikaner hat er aus dem Land werfen lassen; die wollten ohnehin nur ans libysche Öl. So weit die Zukunftsvision.

Libyen heute

Es rächt sich heute, dass der Westen — in diesem Fall unter der Führung des kleinen Napoleon vom Elyssée, dem französischen Staatspräsidenten Nikolas Sarkozy — keinen Plan, keine Blaupause, ja nicht auch nur den entferntesten Schimmer hatte, wie es nach Gaddafi in Libyen weitergehen sollte. Experten hatten früh davor gewarnt, Gaddafi einfach wegzubomben, denn die libysche Gesellschaft ließ sich nicht mit europäischen oder anderen arabischen Gesellschaften wie etwa der ägyptischen vergleichen. Libyen ist bis auf den heutigen Tag von Stammesherrschaften und -animositäten geprägt, und die brachen voll auf, nachdem Gaddafi, der die Stämme auszutarieren verstanden hatte, tot war. Genau darin bestand seine Staats-„Kunst“, die von der libyschen Gesellschaft hervorgebracht und perfekt an sie angepasst war. Gaddafis Tod bedeutete ein Führungsvakuum, das zu Libyens Unregierbarkeit führte.

Libysche Ethnien und Stämme. Quelle: CIA

In Libyen kommt es derzeit zu Christenverfolgungen. Anfang 2013 wurden in Bengasi — Hauptstadt der Rebellen, aber auch seit jeher Hauptstadt religiöser Eiferer — hundert Christen verschleppt und misshandelt. Salafisten agitieren gegen Kopten. Im Dezember 2013 stimmte die Nationalversammlung für die Einführung der Scharia, die vom Nationalen Übergangsrat  bis 2015 vollzogen sein soll. In Gefängnissen wie etwa in Misrata, ebenfalls eine Rebellenhochburg, wird gefoltert. Die Zustände in Libyen sind derart katastrophal, dass Ali Zeidan, Premierminister einer seit dem 31. Oktober 2012 halbwegs legitimierten demokratischen Regierung, von Milizen aus einem Hotel entführt werden konnte, weil diese Milizen sich bei der Verteilung der finanziellen Mittel ungleich behandelt fühlten. Und mit der Erfölförderung läuft es auch nicht rund. Die deutsche Firma Winterschall beispielsweise, die seit 1958 in Libyen Erdöl fördert, musste ihre Arbeit im Land Ende November 2013 einstellen, weil die Exportterminals an der Küste blockiert sind. Und sie ist nicht die einzige Firma, der es so ergeht. Libyen ist auch zwei Jahre nach dem politischen Umsturz noch tief gespalten: Rivalisierende Stammesmilizen und radikale Islamisten kämpfen um die Vorherrschaft. Saubere Arbeit, Sarkozy!

Libyen ist natürlich nicht das einzige Beispiel für katastrophale Folgen westlichen Eingreifens. Weitaus schlimmer ging es im Irak zu. Dem Eingreifen in Libyen könnte man immerhin zugutehalten, dass dadurch weit größeres Blutvergießen verhindert worden sein könnte — denn Gaddafi, wäre er durchgekommen, hätte vermutlich „Säuberungsaktionen“ durchführen lassen. Also gilt auch hier der alte Spruch: Wie man es auch anfängt, man kann es nur falsch machen. Gaddafi einfach gewähren zu lassen, war natürlich keine ernsthafte Option mehr, nachdem er gegen sein Volk zu wüten begonnen hatte. Nun, dieses Thema ist erledigt. Gaddafi ist weg. (Und dabei hatte das Ybersinn-Orakel, bösartig wie es nun einmal sein kann, Gaddafi noch den Friedensnobelpreis 2011 zuerkannt.)

Libyen im „Virenkrieg“

Libyen spielt in meinem Roman „Virenkrieg“ eine wichtige Rolle, und zwar durchgehend vom Ersten bis zum Dritten Buch, denn auf libyschem Territorium liegt al-Isrā, das Hochsicherheitslabor der Islamischen Allianz, wo Skylla & Charybdis entwickelt wurde, ein fürchterliches Biowaffensystem. Die Amerikaner wissen nur, dass al-Isrā existiert; die genaue Position kennen sie nicht. Für mich als Autor ist es ein merkwürdiges Gefühl, al-Isrā hier für Dich anlässlich des Erscheinens von Teil 6 einzuführen und daraus ein großes Geheimnis zu machen, während ich gleichzeitig schon am dritten Teil des Zweiten Buchs von „Virenkrieg“ schreibe. Darin lasse ich Professor Michael Schwartz eine Reise antreten, die ich selbst zu gern einmal so ähnlich machen möchte: quer durch die Sahara auf den alten Karawanenrouten. Aber das ist noch Zukunftsmusik. Gegenwärtig ist nur eines wichtig: Jan Metzner, die Hauptperson des „Virenkrieg“ ist in al-Isrā angekommen. Und er ist gefangen. Hier kommt er nicht wieder raus.

Virenkrieg Cover 001„Verehrte Herren, lassen Sie mich nun zum Punkt kommen. Welche Kriterien zeichnen ein echtes Killervirus aus? Ich glaube, es sind vier:
Erstens: Hohes Ansteckungspotenzial. Es kann leicht übertragen werden. Unübertroffen ansteckend ist  das Pocken-Virus, aber auch Influenza-Viren wie H5N1 können das gut.
Zweitens: Hohe Sterbequote mit dem Potenzial, selbst das beste Gesundheitssystem zum Zusammenbruch zu bringen. Unübertroffen: das Marburg-Virus mit bis zu 90 Prozent Toten.
Drittens: Mieses Image. Unser Killervirus löst Panik aus und lässt das gesellschaftliche Zusammenleben zum Erliegen kommen.
Viertens: Kein Gegenmittel. Es steht kein Impfstoff zur Verfügung und es kann in der Eile auch keiner hergestellt werden. Im Idealfall sollte es sich also um ein unbekanntes Virus handeln, das noch nicht erforscht werden konnte.
Und damit kommen wir zum Kern dieser Veranstaltung, sehr geehrte Herren, denn ich hätte hier etwas für Sie, hier in diesem kleinen, unscheinbaren Hochsicherheitsbehälter …“
Auszug aus den SCOUT-Protokollen, März 2017

Böse? Das war erst der Anfang. Mehr gibt es –> HIER.

Virenkrieg – Erstes Buch. Roman. Ybersinn-Verlag Offenbach. Paperback. Ca. 440 Seiten. 14,90 Euro.
ISBN: 9783981738803.
Ab 10. Juli 2015 in allen Buchhandlungen oder beim Ybersinn-Verlag. Direkt-Bestellung –> HIER.

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