Was macht eigentlich Richard Cheney heute?

Virenkrieg Cover 001Heute geht es wieder einmal um Gesichter, die man nicht vermisst. Vielleicht geht es Dir genauso: Vor Jahren, als diese Gesichter praktisch täglich im Fernsehen gezeigt wurden, konnte man den Moment kaum erwarten, da sie endlich weg vom Fenster sein würden. Trotzdem krame ich sie wieder heraus. Heute in meiner Serie „Was macht eigentlich …“: der frühere US-Vizepräsident Richard Cheney.

.

Was macht eigentlich … Richard „Dick“ Cheney heute?

Klar zu beantwortende Frage: Der 72-Jährige, auch „Darth Vader“ genannt, ist weiterhin eine der Vorzeigefiguren des militärisch-industriellen Komplexes. Was er für den Komplex geleistet hat, ist bisher unübertroffen, und Cheney darf sich in diesem Glanz sonnen, ohne noch weitere Beiträge dieser Art leisten zu müssen. Hier kommt also erst einmal eine Würdigung seines bisherigen Wirkens, das bis in unsere Gegenwart ausstrahlt, bevor weiter unten folgt, was er denn aktuell „macht“.

Wir erinnern uns: Der militärisch-industrielle Komplex — das ist ein Filz aus Entscheidungsträgern in Rüstungsindustrie, Miltär und Politik, der mächtig genug ist, politische Entscheidungen zu beeinflussen, der Industrie lukrative Aufträge zuzuschanzen und Manager von einem Posten vom nächsten weiterzureichen, wobei sie immer mächtiger werden. So einer ist auch Dick Cheney. Er war Verteidigungsminister unter George Bush, dem Vater des späteren Präsidenten George W. Bush. Damals war es noch üblich, Aufträge nicht nur öffentlich auszuschreiben, sondern sie auch an verschiedene Firmen zu vergeben. (Nur nebenbei: Bei uns in „good old europe“ wird an dieser Praxis zum Glück festgehalten.) Unterm Strich ergibt das Wirtschaftsförderung für alle, gewissermaßen. Cheney machte Schluss mit dieser Praxis, indem er von einer der Firmen, die solche Aufträge bekamen — nämlich von der Firma Brown & Root Services  — ein Gutachten erstellen ließ, das klären sollte, ob es nicht sinnvoller sei, wenn nur eine dieser Firmen all die Aufträge bekäme. Das Urteil fiel eindeutig aus: Ja, das sei sinnvoller. Also schrieb das Verteidigungsministerium einen viele Milliarden Dollar schweren Gesamtauftrag für fünf Jahre aus. 37 Firmen bemühten sich darum. Den Zuschlag bekam — Brown & Root Services. Beziehungsweise Halliburton, deren Besitzerin. Brown & Root wurde 1998 vom Mutterkonzern Halliburton mit der Firma M. W. Kellogg Co. zu Kellog Brown & Root fusioniert, der größte private Dienstleister für das US-Militär entstand. Und Richard Cheney wurde 1995 Vorstandsvorsitzender und CEO von Halliburton, das mit 13 Milliarden Dollar Umsatz jährlich (2006) eines der Schwergewichte der US-Militärindustrie ist.

Korruption und Filz in den USA

Da haben wir ihn also, den Filz: So sorgt ein Politiker für die Konzentration wirtschaftlicher Kraft — und wird dann selbst deren Häuptling. Man wüsste zu gern, welche Absprachen es da im Hintergrund gegeben hat. Aber es kam noch besser, denn unter George W. Bush wurde Cheney US-Vizepräsident. Dafür musste er den Halliburton-Job natürlich niederlegen. Aber das dürfte ihm leichtgefallen sein, er bezog nämlich eine Firmenrente, was dazu führte, dass er mehr verdiente als sein Chef: George W. Bush kam im Jahr 2006 auf 630.000 Dollar brutto, Cheney auf 1,615 Millionen. Über zwei Präsidentschaften hinweg war Cheney Bushs Vize — der mächtigste Vizepräsident der Geschichte der USA, so wird gemunkelt. Zusammen mit Verteidigungsminister Rumsfeld trieb er unter anderem die Sache mit den „ungesetzlichen Kombattanten“ voran.

Doch bleiben wir bei der Wirtschaft. Cheney war gewissermaßen Profiteur auf allen Seiten. Als Verteidigungsminister stimmte er für Sanktionen gegen den Irak. Als Halliburton-Chef machte er dann Geschäfte mit dem Irak. Während seiner Zeit als Vizepräsident bekam Halliburton für den Wiederaufbau im Irak hoch dotierte Aufträge der US-Regierung. Im Zusammenhang mit dem Irak bekam Halliburton bzw. Kellog Brown & Root Aufträge im Wert von zwei Milliarden US-Dollar — ohne Ausschreibung. Cheney war stets für den Irak-Krieg und trieb die lügenhafte US-Politik in dieser Sache tatkräftig voran, denn ihm dürfte früh klar gewesen sein: Wo viel zerstört wird, muss viel wieder aufgebaut werden; Krieg ist praktisch das beste Konjunkturprogramm, das ein Firmenboss sich wünschen kann. Cheneys Doktrin: Krieg ist die Quelle von Erneuerung, Fortschritt und Profit. In der Überschrift einer sehr lesenswerten Rezension von Büchern über Cheney bezeichnete die konservative Frankfurter Allgemeine Zeitung Cheney im Jahr 2008 als „Monster“.

Cheney mit Frau und Tochter Mary und Liz (von links) bei seiner Vereidigung zur zweiten Amtszeit

Das „Monster“ Cheney hat zwei Töchter, die kürzlich mal wieder von sich reden machten. Die jüngere, Mary, 44 Jahre alt, ist lesbisch und mit ihrer Partnerin verheiratet. Die ältere, Liz, ist 47 Jahre alt und bewirbt sich derzeit für die Republikaner um einen der Senatssitze des US-Bundesstaats Wyoming. In einem Interview sprach sie sich gegen die Homo-Ehe aus. Es kam zu einem öffentlichen Schlagabtausch der Schwestern via Facebook, in dessen Verlauf Vater Cheney, selbst natürlich ein Vertreter konservativer Ideen, sich genötigt sah, sich auf die Seite von Liz zu schlagen, obwohl er seine jüngere Tochter immer verteidigt hatte. Laut einer Meldung der Bunten soll Cheney gesagt haben, dass Liz ihre Schwester und deren Familie immer mit Liebe und Respekt behandelt habe. Die Freundlichkeit von Liz solle nicht dazu benutzt werden, ihre politische Position zu verzerren. — Freundlichkeit bedeutet offensichtlich nicht Akzeptanz.

Fünf Herzinfarkte

Krank war Richard Cheney auch noch in anderer Hinsicht: Er hatte mehrere Herzinfarkte, den ersten schon im Alter von 37 Jahren. Nach seinem fünften im Jahr 2010 dürfte er sich gesagt haben, dass es jetzt reiche. Doch erst 20 Monate später bekam er ein Spenderherz, das ihm transplantiert wurde. Darüber hat er ein Buch geschrieben: „Heart“. Damit war er natürlich in vielen Talkshows, aber die Steilvorlage von der Transplantation war von amerikanischen „Comedians“ längst aufgegriffen und ausgeschlachtet worden.

Jay Leno, US-Startalker, lästerte beispielsweise: “This weekend, 71-year-old former Vice President Dick Cheney received a heart transplant. And I thought this was nice: they let him shoot the donor himself.” Zu deutsch: „An diesem Wochenende wurde dem 71-jährigen früheren Vizepräsidenten Dick Cheney ein Herz transplantiert. Und da dachte ich, das war nett — sie haben ihn den Spender selbst schießen lassen.“ Und die Entertainerin Joan Rivers sagte: “Rather surprised Dick Cheney got a heart, after lasting all these years without one.” Auf deutsch: „Bin ziemlich überrascht, dass Dick Cheney ein Herz bekommen hat, nachdem er es all die Jahre ohne ausgehalten hat.“ (Beide Zitate nach The Nation.)

Übrigens, eine Biographie hat er ebenfalls geschrieben. Man fragt sich nach dem Grund. Nur weil George W. Bush und Donald Rumsfeld vorgelegt hatten und er nicht nachstehen wollte? Das Werk heißt „In My Time“ und enthält Sätze wie diesen:

„Wir waren standhaft im Angesicht des Bösen, und haben auf selbstlose Weise der Geschichte getrotzt.“

Der selbstlose Trotzkopf ist heute Multimillionär.

Virenkrieg Cover 001„Verehrte Herren, lassen Sie mich nun zum Punkt kommen. Welche Kriterien zeichnen ein echtes Killervirus aus? Ich glaube, es sind vier:
Erstens: Hohes Ansteckungspotenzial. Es kann leicht übertragen werden. Unübertroffen ansteckend ist  das Pocken-Virus, aber auch Influenza-Viren wie H5N1 können das gut.
Zweitens: Hohe Sterbequote mit dem Potenzial, selbst das beste Gesundheitssystem zum Zusammenbruch zu bringen. Unübertroffen: das Marburg-Virus mit bis zu 90 Prozent Toten.
Drittens: Mieses Image. Unser Killervirus löst Panik aus und lässt das gesellschaftliche Zusammenleben zum Erliegen kommen.
Viertens: Kein Gegenmittel. Es steht kein Impfstoff zur Verfügung und es kann in der Eile auch keiner hergestellt werden. Im Idealfall sollte es sich also um ein unbekanntes Virus handeln, das noch nicht erforscht werden konnte.
Und damit kommen wir zum Kern dieser Veranstaltung, sehr geehrte Herren, denn ich hätte hier etwas für Sie, hier in diesem kleinen, unscheinbaren Hochsicherheitsbehälter …“
Auszug aus den SCOUT-Protokollen, März 2017

Böse? Das war erst der Anfang. Mehr gibt es –> HIER.

Virenkrieg – Erstes Buch. Roman. Ybersinn-Verlag Offenbach. Paperback. Ca. 440 Seiten. 14,90 Euro.
ISBN: 9783981738803.
Ab 10. Juli 2015 in allen Buchhandlungen oder beim Ybersinn-Verlag. Direkt-Bestellung –> HIER.

Das E-Book bekommst Du schon jetzt in allen gängigen Online-Shops.
ISBN 9783844292503.
Oder bei unserem Haus-Shop Epubli.de: –> HIER.
Und bei Amazon: –> HIER.

Ecklogo klein

–> Verlags-Startseite    –> Ybersinn-Startseite

 

3 Antworten auf Was macht eigentlich Richard Cheney heute?

  1. Xiane sagt:

    Wieder ein hervorragend „komprimiert-recherchiertes“ Kapitel – leider aus der Realität und nicht aus einem Thriller…
    Wenn mir die Worte fehlen, um meine Abscheu auszudrücken und das Blut in den Adern gefriert, bleibt der in solchen Situationen aus der Kiste hervorgeholte alte Trost: auch der ist nicht unsterblich…( Herz hin, Herz her)

  2. Bradbury sagt:

    Guter Artikel. Gerade in der Rückschau wird das Ausmaß von Cheneys Fehlleistungen deutlich. Es ist eigentlich ungeheuerlich, dass so einer derart misswirtschaften darf und noch ungestraft davonkommt. Vermutlich muss man dazu nur frech genug sein.

  3. Lutz Büge sagt:

    @ Bradbury

    Frechheit hilft bestimmt, aber man braucht auch die Unterstützung des Systems. Und das scheint in den USA so weit gereift zu sein, dass es solche Umtriebe förderte.