Es ist wieder still geworden um Karl Theodor zu Guttenberg, den Berater der EU-Kommission in Sachen Internetfreiheit. Man möcht’ fragen: Wo berät er denn? Er soll vorgeschlagen haben, die Tasten STRG + C zu einer “Shortcut”-Taste zusammenzufassen, und das war’s bisher. Diese Meldung blieb übrigens bisher unbestätigt. Fragt sich außer uns noch jemand, was dieses auffällige Schweigen bedeutet? Gehen wir der Sache auf den Grund. Ybersinn ist es gelungen, im Arbeitszimmer des EU-Beraters eine Wanze zu installieren. Hören wir mal rein.
Ad ACTA: Großer Lauschangriff auf Guttenberg
So, dann wollen wir mal. Internetfreiheit, aha. Was könnt’ das bedeuten? Nicht so einfach. Internetfreiheit. Gleich mal googeln. Internetfreiheit, da steht’s. Ach, wenn es Google nicht gäbe, müsste man es glatt erfinden. So, wie ging das noch mal … Markieren … Strg C … Klick … Strg V … Das ist immer ein feierlicher Moment, wenn auf der jungfräulichen Seite das erste Wort erscheint. Internetfreiheit. Da haben wir’s. Okay, nächster Schritt: Arbeitspapier googeln. Schon haben wir’s. Markieren … hamdadamda … und drin! Arbeitspapier Internetfreiheit. Sieht schon mal nicht schlecht aus. Gute Überschrift. Eine gute Überschrift ist die halbe Miete.
So, also jetzt aber. Internetfreiheit. Was bedeutet das jetzt mal? Freiheit im Internet? Ähem. Gleichzusetzen mit Verrohung der Sitten. Schlimm, ganz schlimm! Jeder kann heutzutage anonym andere Leute anpissen. Braucht kein Mensch, diese Blogs und den ganzen Kram. Dafür darf man nicht streiten. Die Leute kommen nur auf dumme Gedanken. Kopieren kann ja schließlich jeder. Also, das müsste man schon mal ein bisschen regulieren. Mal googeln: regulieren. Aha. Hamdadamda, Steuerung V – voilá. Nee, klein geschrieben. [Tastaturgeräusche.] Arbeitspapier Internetfreiheit regulieren. Klasse Überschrift.
Internetfreiheit, ähem. Jetzt aber. Also, wenn die Leute im Internet von der Leine gelassen sind, dann … Genau. Gute Idee. Das geht nicht. Anonymität. Da haben wir’s. Das ist der Punkt. Dagegen muss was getan werden, sonst ist die Internetfreiheit in Gefahr. Google, oh mein Google … Da ist es ja. Anonymität. Hamdadamda dadadam – fertig. Arbeitspapier Internetfreiheit regulieren Anonymität. Guter Ansatz. Muss natürlich heißen: 1. Anonymität. So. Genau. Wo kommen wir sonst hin.
Internetfreiheit … Was sagt Google nochmal dazu … Aha. “Demonstrationen für Internetfreiheit”. “Widerstand gegen ACTA-Abkommen wächst”. “Wissenstransfer in Entwicklungsländer ermöglichen per Internetfreiheit”. Ja, wer hat denen denn ins Gehirn geschissen? So ein linkes Geblahe! Wissenstransfer in Entwicklungsländer? Das riecht nach Transferunion. Geht gar nicht. Das muss Neelie (*) erfahren. Wo ist das Telefon?
Hallo? Ja, Neelie, ja, ich bin’s, dein Talent in Sachen Internetfreiheit. Danke, alles bestens, aber wusstest du, dass das Internet ziemlich links ist? Ach so, das wusstest du schon … Ja, ich bin gerade mit einem Arbeitspapier beschäftigt. Ja, läuft gut, hab schon drei Seiten vollkopiert, nächste Woche hast du es auf dem Tisch. Bis dann. Bussi!
Internetfreiheit. Warte mal, da gab es doch vor einer Weile einen Dokumentarfilm zu diesem Thema. Mensch, warum komme ich da jetzt erst drauf. Das war auch irgendwas mit -net. Net, net, net – Skynet. Ha! Mal gleich googeln. Wikipedia. Aha, ein Computernetzwerk aus dem Film “Terminator”. Komischer Name für einen Dokumentarfilm. Terminator. Ach schau an, es gibt sogar Bilder? Immer gut, mit Bildern hab ich das Arbeitspapier schneller voll. Hamdadamda … dadadam …
Was ist denn jetzt plötzlich los? Was ist denn das für ein komisches … Was?
“Sie wurden beim Kopieren urheberrechtlich geschützter Inhalte erwischt.”
Ja geht’s noch? Ich hab doch gar nichts anderes gemacht als sonst auch.
“Das ACTA-Handelsabkommen verpflichtet uns als Ihren Provider, Verstöße gegen das Urheberrecht zu überprüfen und zu ahnden. Ihr Internetzugang wurde daher gesperrt. Der Vorgang wird an die zuständigen Behörden weitergeleitet.”
Ja komm, netter Scherz, aber jetzt kriegst du dich wieder ein, okay? So, wo war ich gerade … Skynet. Bilder. Wieso lädt das Ding jetzt nicht? “Ihre Verbindung zum Internet wurde unterbrochen”. Aha. Noch mal. “Ihre Verbindung zum Internet …” Scheiße, war das etwa ernst gemeint … Verstöße gegen das Urheberrecht? Nicht schon wieder! Scheiße. Scheiße. SCHEISSE!
[Einige Minuten lang ist Schluchzen zu hören.]
Internetfreiheit. Okay. Jetzt gebe ich’s dir. Hier, komm. Arbeitstitel [Tastaturgeräusche]: Wie ich eines Tages Freiheit vom linksversifften Scheiß-Internet erlangte …
***
(*) Gemeint ist vermutlich EU-Kommissarin Neelie Kroes, die für Internetfreiheit zuständig ist und Guttenberg als Berater engagierte.
++++++


